Die Rostocker Hafenbratwurst
Es ist naheliegend, dass man am Rostocker Stadthafen auch Bratwurst findet, denn nicht jeder Tourist mag Fisch.
Doch warum die Rostocker Bratwurst aus Nordrhein-Westfalen (NRW) stammt, bleibt mir unverständlich.
NRW hat ohne Zweifel viel zu bieten, aber bei der Bratwurst hört der Spaß auf. Sofort denke ich an die Fleisch- und Schlachtfabrik Tönnies. Dort geht es nicht nur um das Thema Separatorenfleisch, sondern auch um Arbeitnehmerrechte und den ethischen Umgang mit Ressourcen. Die Frage drängt sich auf: Was passiert mit den Schlachtabfällen bei Tönnies? Und werden diese möglicherweise in Wurst verwandelt?
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Überall in Mecklenburg-Vorpommern begegnet man einer Bratwurst aus NRW – ein Phänomen, das zu Fragen führt. Warum ist die regionale Wurst nicht die erste Wahl?
Heute meinen viele ehemalige Insassen des real existierenden Sozialismus: Nicht alles in der DDR war schlecht. Die Genossen aus Thüringen verbrachten ihren Urlaub an der Ostsee, und die Mecklenburger und Rostocker fuhren nach Thüringen. Diese kulturelle Verbindung brachte auch die berühmte Thüringer Bratwurst an die Küste. Der Rostocker isst Thüringer noch immer gern, wie man auf der Kröpi sehen kann.
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Zwar bekommt man sie heutzutage zum Beispiel noch auf der Kröpi und gelegentlich am Bahnhof, aber immer häufiger hört man auf Nachfrage: „Der Chef kauft die Wurst in NRW.“ Dies lässt nichts Gutes vermuten, denn es scheint, als gehe es hier vor allem um die Bratwurstrendite, nicht um Qualität. Obwohl die bei der Thüringer…???
Ich vermute, dass die Rostocker Hafenbratwurst denselben Ursprung hat wie die in Maiks Teufelsküche im Rostocker Fischereihafen.
Vor meinem inneren Bratwursttesterauge sehe ich einen Bratwurstvertreter von Tönnies durch Mecklenburg reisen und seine Wurst anpreisen. Dennoch war die Bratwurst im Rostocker Stadthafen die bessere von beiden – vielleicht, weil sie nicht so lange auf dem Rost lag wie die bei Maik. Trotzdem fehlte ihr das typische Bratwurst-Erlebnis: der satte Biss und die kräftige Würze.