Als Flaneur in Wissembourg

Der Flaneur ist ein „Spaziergänger“, „Faulenzer“, „Schlenderer“ oder „Nichtstuer“ – so die Übersetzung.

Die Siesta im Park von Wissembourg nach dem Essen eines Flammkuchens
Siesta im Park von Wissembourg

Fangen wir in der Mitte der Visite an.  Als Flaneur in Wissembourg muss man sich hin und wieder erholen.

Nachdem wir am späten Vormittag eine erste Runde schlendernd durch die Stadt gedreht hatten, wurden wir hungrig. Ohne einen der knusprigen Flammkuchen (Alemannisch = Flammenküche) verzehrt zu haben, sollte man den Elsass nicht verlassen. Überhaupt spielt das Kulinarische eine große Rolle. Neben dem mit Crème fraîche bestrichenen Teigfladen, der mit Speck und Zwiebelringen belegt und im heißen Ofen knusprig gebacken wird, gibt es noch andere Spezialitäten. Für Innenlandfranzosen ist dies ein tarte flambée. Das dem Deutschen zugeschriebene Sauerkraut spielt im Elsass eine Hauptrolle. Selbst mit frischem Lachs oder anderem Fisch wird es verzehrt. Jedes gute Essen endet selbstverständlich mit einer Auswahl verschiedener Käse. Der charakterstarke Münsterkäse darf dann natürlich nicht fehlen.

Ich behaupte, dass der Flaneur mehr entdeckt als der wissensdurstige Forscher oder gar ein gehetzter Tourist.

Denn dieser wie jener ist auf Dinge und Gegebenheiten aus, die er vor seinem Trip irgendwo gelesen hat oder die er von einem Fremdenführer vorgesetzt bekommt.

Als Flaneur in Wissembourg sucht man nichts – man findet.

Das Salzhaus in Weißenburg ist ein begehrtes Touristenmotiv und tausendfach fotografiert.
Das Salzhaus

Das Salzhaus sieht mit seinem abgestuften Dach märchenhaft aus. Aber auch seine Geschichte ist skurril. Es ist überliefert, dass es zuerst ein Krankenhaus war. Danach Schlachthaus!! Später lagerte man hier Salz – daher sein Name. Und zuletzt wohl Hopfen. Obwohl das Elsasse ein recht bekanntes Weinbaugebiet ist, wird hier fünfzig Prozent des französischen Biers gebraut. Erst brauten die Mönche. Ab 1268 gibt es die ersten Braumeister.

In den Gassen von Weißenburg findet sich so manches verlassenes Haus. Deren Geschichte lässt sich erahnen.
In den Gassen von Weißenburg

Obwohl man immer noch in den Gassen verlassene Gebäude sieht, scheint sich Weissenburg auch abseits der gängigen Wege zu erholen. Die großen Städte, wie Karlsruhe, werden zunehmend teurer aber auch unattraktiver. Die Jungen schätzen wieder den Reiz der überschaubaren Kleinstädte.

Man sieht aufwändig restaurierte Fachwerkbauten und die Stadt wirkt auch belebter als vor einigen Jahren.

Die Wissembourger Kirche St. Peter und Paul besitzt einen Gotischen Kreuzgang.
Wissembourg | Kirche St. Peter und Paul | Gotischer Kreuzgang

Auch wenn die Säkularisation voranschreitet und die Institution der Kirche früher oder später vor der Auflösung steht, wird ihre kulturelle Bedeutung bestehen bleiben.

Nachfolgende Generationen werden die Bauten und kulturellen Hinterlassenschaften mit ähnlichem Interesse betrachten, wie die ägyptische Kultur, die Griechische oder die der Renaissance.
 
Die sakralen Bauten in unseren Städten werden weiterhin im Zentrum stehen und Ankerpunkt sein. Auch im elsässischen Weissenburg sind die meisten Blickachsen auf die Kirche der Stadt ausgerichtet. Die pittoreske Kanallandschaft ist besonders reizvoll und die Gaststätten an den Kanälen einen Besuch wert.
Die Pittoreske Kanäle in Weißenburg prägen das Stadtbild und ermöglichen Durchblicke auf die Kirche.
Pittoreske Kanäle in Weißenburg
Der naturalistisch dargestellte Leichnam Jesu ist Surrealismus im Kirchenschiff
Surrealismus im Kirchenschiff

Die Kunst macht keine Ausnahme!

Jede Generation, jeder Mensch wird zu jeder Zeit ein Kunstwerk ganz individuell und nach seiner Prägung wahrnehmen. Freilich gibt es Formulierungen zu Eros und Thanatos, die Allgemeingültigkeit erlangen und damit zeitlos sind.

Der als Plastik ausgeformte Leichnam Jesu in der Kirche Peter und Paul zu Wissembourg war Andachts- und Trauerort der Gläubigen. Betrachtet ein Agnostiker der „Jetztzeit“ dieses Kunstwerk, bekommt es aufgrund seiner speziellen künstlerischen Formulierung einen surrealen Charakter.

Das Kunstwerk wird jedoch nicht besser oder schlechter – es nimmt eine neue Daseinsform an.

Die Kirche Église Saints Pierre et Paul hat einen sehr schönen gotischen Kreuzgang.
Église Saints Pierre et Paul | Kreuzgang
St. Peter und Paul in Weißenburg der Altar
St. Peter und Paul in Weißenburg | Der Altar

Vom sakralen Andachtsort zum Ruheort der Besinnung. Die Welt bleibt draußen.

Ich wünschte mir noch eine Spur Weihrauch und leise Orgelmusik wie in der Dorfkirche von Hohen Viecheln.

Jede Patisserie in Weißenburg hat Gugelhupf im Angebot aber auch andere leckere Kuchen und das Baguette dürfen nicht fehlen.
Patisserie in Weißenburg
Schaufenster mit ansprechender Dekoration einer Patisserie in Wissembourg. Die Meringue dürfen nicht fehlen.
Schaufenster einer Patisserie in Wissembourg

Das Elsass hat viele Spezialitäten. Der Gougelhof (Gugelhupf) ist in jeder Patisserie zu bekommen. Im Gegensatz zum österreichischen Modell wird dieser hier aus Briocheteig gebacken. Zur Weihnachtszeit wird der Teig üppig mit Rosinen und Rum oder Kirschwasser angereichert.

Natürlich gibt es auch eine deftige Variante mit Speck. Dazu passt dann besonders der trockene Riesling dieser Region.

Die Elsässer Obst-Kuchen sind eigentlich Tarte. Also mit einem Mürbeteig als Grundlage. Dieser wird in einer, mit Obst oder auch deftigen Zutaten, runden Backform mit geriffelten Rand gebacken. Berühmt ist die kopfüber gebackene Apfeltarte.

Himmlisch süß, verführerisch und locker.

Ohne Küsse, Baisers oder auch Meringes genannten Eischneebackwerk kein Frankreich.

Jetzt machen wir einen dicken Strich!

Denn wenn wir schon mal hier sind, können wir auch auf den Weihnachtsmarkt warten.

Denn als Flaneur in Wissembourg sollte man diesen nicht verpassen. Natürlich ist er nicht mit dem in Straßburg oder Colmar zu vergleichen, hat aber die größte Vielfalt an Würsten im Angebot. Eigentlich ist dieser Weihnachtsmarkt eher ein Bauernmarkt.

Hirsch, Wildschwein und Esel als Wurst findet man auf dem Weihnachtsmarkt in Weissenburg im Elsass
Hirsch, Wildschwein und Esel als Wurst
Unzählige Elsässer Weihnachtswürste bekommt man auf dem Weihnachtsmarkt in Weissenburg
Elsässer Weihnachtswürste

Man möchte meinen, was dem Deutschen in der Weihnachtszeit sein Pfefferkuchen ist, das ist dem Elsässer seine Salami oder auch Saucisson sec genannt.

Selbst ich als passionierter Imbissbuden und Bratwurstforscher bin ob dieser Vielfalt übermannt. Schwein Natur, mit Nüssen, Steinpilz, Pfeffer, Kräutern, Knoblauch, Feigen und gar dem Münsterkäse. Hirsch, Wildschwein, Esel, Rind, Ente und Ziege. Alles wird zur Wurst gemacht und alles kann da hinein. So kommt man über den Winter.

Auch geräuchertes Schwein und Bauernbrot kann man als Flaneur in Weissenburg auf dem Weihnachtsmarkt finden.
Geräuchertes Schwein und Bauernbrot

Natürlich bekommen Sie auch Speck und Brot dazu.

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