Ente auf Gans gemacht – mit Rotkohl, Klößen und einer kleinen Identitätskrise
Was ist besser: Ente oder Gans?
Irgendwie ist man ja froh, wenn die Feiertage vorbei sind. Die Kerzen sind abgebrannt, die Verwandtschaft wieder verstreut und der Magen hat sich langsam von den Festessen erholt.
Dann öffnet man das Gefrierfach!
Und dort liegt sie.
Eine Ente.
Allein.
Vergessen.
Wie ein letzter Weihnachtsgast, der den Heimweg verpasst hat.
Was tun? Wegwerfen kommt nicht infrage. Also beschloss ich, die Sache pragmatisch anzugehen. Die Ente wurde kurzerhand zur Gans erklärt. Es war schließlich kalt draußen. Da darf man sich gewisse Freiheiten erlauben.
Ente oder Gans – der geschmackliche Unterschied
Die Frage wird erstaunlich oft gestellt: Was schmeckt eigentlich besser, Ente oder Gans?
Die Antwort lautet wie so oft: Es kommt darauf an.
Die Gans besitzt kräftigeres, dunkleres Fleisch und deutlich mehr Fett. Wer den üppigen Sonntagsbraten liebt, landet meist bei der Gans.
Die Ente dagegen ist etwas feiner, etwas eleganter und häufig auch saftiger. Sie schmeckt weniger dominant und verträgt deshalb Gewürze und Beilagen besonders gut.
Kurz gesagt:
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Gans ist die Oper.
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Ente ist das Kammerkonzert.
Beides hat seinen Reiz.
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Wie aus einer Ente eine Weihnachtsgans wird
Der Unterschied zwischen Ente und Gans ist in der Küche oft kleiner als man denkt.
Man benötigt:
- 1 Ente
- 2 Boskoop-Äpfel
- 2 Zwiebeln
- einige Kastanien
- reichlich Beifuß
- Salz
- Pfeffer
- einige Pimentkörner
- Geflügelbrühe
Die Äpfel werden grob zerschnitten. Die Zwiebeln ebenfalls. Kastanien bleiben ganz.
Nun salzt man das Innere des Federviehs großzügig. Danach wandern Äpfel, Zwiebeln, Kastanien und die Hälfte des Beifußes in den Bauch der Ente.
Anschließend wird auch die Außenseite gesalzen und gepfeffert.
Bis hierher ist alles noch Ente.
Der entscheidende Trick
Jetzt kommt der Moment der Verwandlung.
Die Ente wird mit Gänsefett eingerieben.
Jawohl.
Man muss nur überzeugend genug auftreten. Wenn schon nicht biologisch, dann wenigstens kulinarisch.
Zusammen mit einigen Apfelstücken, Zwiebelresten, Pimentkörnern und dem restlichen Beifuß kommt die „Ganseente“ bei 200 Grad in den Ofen.
Etwa anderthalb Stunden darf sie dort brutzeln.
Dabei wird sie regelmäßig mit Geflügelbrühe übergossen. Das sorgt für eine schöne Kruste und verhindert, dass der Vogel austrocknet.
Irgendwann beginnt die Küche zu duften, als hätte Weihnachten beschlossen, doch noch einmal vorbeizuschauen.
Rotkohl und Klöße – die ewigen Begleiter
Natürlich kann man allerlei Beilagen servieren.
Man könnte experimentieren. Man könnte modern sein. Man könnte Selleriepüree machen oder irgendetwas mit Süßkartoffeln. Man sollte es aber nicht.
Zu Ente auf Gans gemacht gehören Rotkohl und Klöße. Punkt. Denn manchmal muss Tradition einfach gewinnen.
Kann man Gans auch im Sommer essen?
Warum eigentlich nicht?
Natürlich verbindet man Gans mit Weihnachten und kalten Winterabenden. Historisch liegt das vor allem daran, dass die Tiere traditionell im Herbst geschlachtet wurden.
Geschmacklich spricht jedoch nichts dagegen, Gans oder Ente auch im Sommer zu essen.
Allerdings sollte man dann vielleicht auf Rotkohl, Klöße und zwei Liter Soße verzichten. Ein leichter Kartoffelsalat oder ein frischer Gurkensalat passen bei dreißig Grad Außentemperatur vermutlich besser.
Die eigentliche Frage lautet ohnehin nicht, ob man Gans im Sommer essen darf. Sondern ob man es möchte.
Fazit: Ende gut, Gans gut
Am Ende wurde aus der vergessenen Ente ein erstaunlich überzeugender Festtagsbraten. Nicht jede Ente möchte eine Gans sein. Diese hier hatte jedoch nichts dagegen.
Rotkohl war noch vorhanden. Klöße ebenfalls. Und so wurde aus einem Fund im Gefrierfach ein Essen, das deutlich besser war als sein Titel vermuten lässt.
Womit wieder einmal bewiesen wäre: Gute Küche beginnt oft dort, wo der Plan längst aufgehört hat.
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