Drei unbekannte Heilige in Südfrankreich

Es gibt Situationen in denen man sich alleingelassen fühlt und denkt die Welt nicht zu verstehen.

Gotteshäuser gehören ja zu unserer Kultur, und die christliche Ikonografie ist mir auch nicht ganz fremd. Das Blau die Farbe unserer Muttergottes ist und auch den Managern zugeschrieben wird, mag zwiespältig sein und im letzteren Fall – zumal bei dem Versagen so manchen Wirtschaftslenkers – unpassend. Denn Blau steht für Transparenz und Klarheit des Denkens. Maria trägt den blauen Mantel, da sie in den Himmel hinauffuhr. Die Katholiken feiern Maria Himmelfahrt, während der Evangele die Nase rümpft .

Mit Göttern und Ähnlichem ist das so ein Problem. Hermes zum Beispiel ist der Schutzgott des Verkehrs, der Reisenden, der Kaufleute und der Hirten, auf der anderen Seite auch der Gott der Diebe, der Kunsthändler und weiteres mehr.

Ob die Ausgrenzung Marias und ihre Verehrung im Evangelischen wirklich der Eingrenzung des Heilgenkultes diente, oder ob Luther neben seiner antijudaistischen Haltung auch frauenfeindlich war, ist nicht direkt überliefert. Als sicher gilt, dass er Frauen im öffentlichen Leben nicht sehen wollte, sich aber ihrer unterstützenden Dienste gern bediente. Ohne seine Frau Katharina von Bora wäre er ein Nichts geblieben und wohl möglich verhungert. Sie war ein Organisationstalent und sorgte für die Ernährung der fast täglich an der Tafel Luthers erscheinenden 40 Gäste.

Ob die hinter Gittern befindlichen Büsten Heilige oder was auch immer darstellen, kann ich einfach nicht herausfinden. Es werden wohl kirchenkritische Freigeister sein, die nach Südfrankreich verbracht und dort eingesperrt wurden. Denn glauben und denken sind grundverschiedenen Dinge. Denkt man darüber nach wievielt Unheil Religionen auf der Welt gestiftet haben glaubt man, es wäre besser sie verschwänden. Am 12. Juli 1790 war es so weit und die „Constitution civile du clergé“ trat in Kraft. Vieles Unschönes geschah und es fegte auch wieder ein Bildersturm durch die Kirchen.

Die Trennung von Staat und Kirche war zumindest in Frankreich vollbracht.

In Deutschland blieb diese Trennung in den Kinderschuhen stecken und Staat ob diktatorisch oder demokratisch ob Ost oder West und Kirche machten windige Deals. Ein Wehklagen über den Lobbyismus in Deutschland ist von verschiedenen Seiten zu hören. Aber – oh himmlisches Wunder – die Kirche mit ihren Lobbyisten bis in die höchsten Ämter des Staates nebst zweier C-Parteien sind nie Thema.

Ius respicit aequitatem! „Das Recht achtet auf Gleichheit“ ist ein Grundsatz in unserer Verfassung.
„Wesentlich Gleiches sei rechtlich gleich und wesentlich Ungleiches seiner Eigenart entsprechend rechtlich ungleich zu behandeln.“ Sagt das Bundesverfassungsgicht. Mit anderen Worten, die anerkannten Religionen sind alle gleich.

Wenn in Zukunft jeder Muslim bei seiner Einreise in die Bundesrepublik Deutschland die Verfassung lesen muss, ist es nur logisch, dass die muslimische Religionsgemeinschaft die gleichen Rechte fordert wie die christlichen Kirchen. Dessen sollte man sich klar sein.

Freilich hat unsere Kunst ihr Fundament auch – und vor allem – in der christlichen Kunst. Das sie derzeit auf diesem Gebiet eine zu vernachlässigende Rolle spielt und eher zur Symbolfolklore neigt, ist sichtbar. Der Schritt zum puren Ornament ist nicht mehr weit, also könnten die Künstler auch gut für allen Religionen tätig sein.

Meine Frage ist nun, ob ich diese Entwicklung unterstütze um meine Geschäftsfelder auszuweiten. Drei unbekannte Heilige in Südfrankreich konnten mir nicht helfen.

Zu unseren drei Figuren in einer südfranzösischen Kirche zurück. Ich behaupte, es sind kircheninterne Dissidenten bis mir das Gegenteil bewiesen wird.