Fragmentierung und Dekonstruktion in der Kunst

Fragmentierung und Dekonstruktion in Plastiken und Malerei von Thomas Gatzemeier

Vom Künstler geschaffene Torsi sind eine Art der Abstraktion. Wir finden sie in der Renaissance bei Michelangelo aber auch Rodin und Giacometti haben viele ihrer Arbeiten fragmentiert und als Torso ausgeführt. Es ist nicht bewiesen ob die unvollendeten Arbeiten – Non-Finito- Skulpturen – des Michelangelo mit Absicht so belassen wurden oder lediglich durch Ableben des Schöpfers nicht vollendet werden konnten. Man weiß aber, dass Michelangelo die Torsi der Antike bewunderte.

Mit Sicherheit haben aber Rodin und andere Künstler die den Torsi innewohnende Kraft erkannt und absichtsvoll in ihr Werk übertragen und zum Stilmittel erhoben.

Die Fragmentierung hebt die Geschlossenheit im Ganzen auf und öffnet damit den Horizont des Betrachters auf eine andere Wahrnehmungsstufe. Wir sehen nur einen Teil, wissen aber um das Ganze.

Michelangelo Atlas

Die organische Kunstform ist nicht an ihre Zeit gebunden.

Das Geschichtliche perlt an ihr ab und sie steht für sich. Durch die Loslösung von der an die Wirklichkeit gebundenen Formulierung eines menschlichen Körpers verlässt der Künstler das pure Abbild. Der neu gefundene Schönheitsbegriff gilt nicht mehr der ästhetischen Vollkommenheit, sondern der – zumindest zum Teil – eigenen Erfindung.

Ausgangspunkt der Bildfindung oder des Entwurfs für Plastiken ist die Zeichnung. Das Medium des Papiers erlaubt auf einfachste Art Korrekturen. Fehlentwicklungen sind unkompliziert zu entsorgen.

Fragmente kommen in meinen Bildern Anfang der 2000er Jahre vermehrt vor. Einerseits hängt dies mit der Beschäftigung von Höllenstürzen und Himmelfahrten zusammen, andererseits ist diese Phase auch ein Weg von der stark abstrahierten Malerei zur realistischen Ausdrucksweise.

Ich benutze Fragmentierungen sowohl in der Skulptur | Plastik als auch in der Malerei und Zeichnung. Aber immer und in jeder Stufe der Abstraktion steckt der Keim des realen Vorbilds. Des menschlichen Körpers.

PS: Um Zusammenhänge verdeutlichen zu können, bediene ich mich Beispielen aus der Kunstgeschichte. Dies bedeutet jedoch nicht, dass ich mir anmaße, mich mit diesen auf eine Stufe zu stellen. Ich begreife mich als unabhängig aber doch einen Teil der Kunstgeschichte. Also kommt man nicht umhin rechts und links zu schauen – manchmal auch nach oben.

Viele Beispiele dieser Arbeitsweise finden sie zwischen den Jahren 1997 und 2004 bei THOMAS GATZEMEIER