Mario Kotaska trifft an der Wurst vorbei (22.10.2019)
Lasst es doch einfach sein!
Mario Kotaska trifft an der Wurst vorbei, weil er die große Kohle damit machen will. Ein jungdynamischer Sternekoch mischt sich in die Wurstkultur ein und will damit eine amerikanische Idee auf die deutsche Wurstkultur übertragen. Jedoch begreift er nicht, dass Masse nicht gleich Klasse ist. Imbissbuden und Bratwurststände – Bratwurstbuden sind aber ein Thema für sich.
Dies geht natürlich nicht ohne Gemunkel – Betrug will ich ja nicht gleich schreiben, denn solche Menschen haben meist gute Anwälte.
Freilich lässt sich über Geschmack streiten. Ich fand die Wurst ziemlich fad. Aber die Verpackung der Wurst, welche mir der Verkäufer auf Nachfrage zeiget, war dann schon vielsagend. Und natürlich sind in einer Bratwurst nicht 80 % Schweinefleisch enthalten. Denn dieser Begriff suggeriert Muskelfleisch. Ohne Speck läuft gar nichts. Schweinebauch bringt der Masse erst die Saftigkeit, auch wenn man nicht gerne darüber spricht. Ach! Wasser gehört auch dazu.
Die berühmten E-Klassifizierungen auf der Verpackung machen mich nicht an.
Natürlich kommt eine solche Wurst aus der Massenproduktion. Man bekommt die Produkte dieses Fleischbetriebs zum Beispiel bei PENNY, REWE. Le Bufett an der Autobahn und selbst in der Commerzbank-Arena aufgetischt. Köln ist zwar nicht die absolute Wurstdiaspora, gilt aber eben auch nicht als die Wursthochburg Deutschlands. Marios Wurst kommt aus Hürth bei Köln. Die Kölner Mett mag ich sehr und nehme auch immer eine zu mir, wenn ich auf dem Kölner Hauptbahnhof mit oder ohne Verspätung aufschlage oder einfahre.
Mario Kotaska trifft an der Wurst vorbei, weil er sich nicht mit ihrer Tradition beschäftigt hat.
Wieso sucht er, um Gottes Willen, nicht jemanden in Franken, Thüringen oder Sachsen der ihm Hilft eine Wurst zusammenzubasteln die dann auch einigermaßen schmeckt.
Mit anderen Worten, die Wurst von Mario Kotaska bei der Franchaiskette „grillbar“ am Hornbach in Leipzig Nord war enttäuschend und eigentlich „ungrillbar“.
Ergänzung vom 17. Februar 2026
Der Teufel steckt auch bei der Bratwurst im Detail
Seit meinem Beitrag vom Oktober 2019 hat sich manches verändert. Mario Kotaska ist inzwischen nicht mehr Teil dieses Bratwurstgeschäfts. Sein Name steht heute nicht mehr für das damalige Konzept.
Unverändert geblieben ist jedoch meine grundsätzliche Beobachtung: Der Unterschied zwischen industrieller Herstellung und handwerklicher Bratwurst zeigt sich im Detail.
Bei einem erneuten Besuch am Standort Hornbach Leipzig Nord fiel zunächst auf, dass die Wurst etwas schlanker geworden war. Laut Auskunft der Verkäuferin stammt sie weiterhin aus industrieller Produktion in Hürth. Die Mitarbeiterin reagierte auf meine Nachfrage freundlich und offen. Gewürzt sei die Wurst zurückhaltend – Majoran oder Kümmel seien nicht Bestandteil der Rezeptur.
Für 3,70 € erhält man eine optisch blasse Bratwurst in einem ebenso neutralen Brötchen. Das ist kein Skandal. Aber es ist auch kein Ausdruck regionaler Bratwurstkultur.
Und hier beginnt für mich die eigentliche Frage.
Deutsche Imbisskultur zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Immer wieder wird öffentlich über den Verlust „deutscher“ Esskultur diskutiert. Döner, Burger, asiatische Schnellküche – sie alle prägen inzwischen das Straßenbild.
Doch man sollte die Frage umdrehen: Warum behaupten sich manche Konzepte stärker als andere?
Qualität, Würzung, handwerkliche Identität – das sind Faktoren, die Kunden binden. Wenn traditionelle Produkte industrialisiert und geschmacklich nivelliert werden, verlieren sie ihr Profil.
Mit standardisierter Durchschnittsware lässt sich keine kulinarische Identität verteidigen.
Hier mehr zu Bratwurst- und Imbissbuden in Leipzig.
Ein Vergleich vor Ort von Bratwurst zu Bratwurst.
Ich berichtete über die Bärlauch-Bratwurst am Hornbach und auch die anderen Würste sind nicht nur viel günstiger (3,30 €), sondern auch viel besser.
Bemerkenswert bleibt für mich, dass nur wenige Meter weiter – ebenfalls am Hornbach an der Delitzscher Straße – ein klassischer Fleischer eine deutlich aromatischere, handwerklich überzeugende Bratwurst anbietet.
Der Unterschied liegt nicht im Marketing. Oder doch. Die bessere Wurstbude benötigt kein Marketing. Ein Schild mit BRATWURST 3,30 € genügt. Er liegt in der Rezeptur, in der Würzung, in der Haltung zum Produkt.
Warum viele dennoch zur industriellen Variante greifen, bleibt offen. Vielleicht ist es Gewohnheit. Vielleicht Bequemlichkeit. Vielleicht der Klang eines bekannten Namens.











