Über die Allegorie in der Kunst und deren Verschlüsselung

Über die Allegorie in der bildenden Kunst und ihrer Bedeutung in einer Diktatur.

Allegorien sind ein intellektuelles Mittel um Dinge und Gegebenheiten zu umschreiben oder ihnen eine besondere Bedeutung zu verleihen. Walter Benjamin schreibt: Das Symbol ist die Identität von Besonderem und Allgemeinen, die Allegorie markiert ihre Differenz.“

Hammer und Sichel wie auch das Hakenkreuz sind Symbole, die keine Differenzierung zulassen. Die Kunst in einer Diktatur, also auch der sozialistische Realismus, sollte zum Symbol degradiert werden, um unliebsame Deutungen zu verhindern. Sie dient als Herrschaftsinstrument. Das Menschliche wird verbannt oder zum bloßen Zeichen. Also keine Germania wie für Deutschland, keine Marianne wie für Frankreich sondern geometrische Zeichen oder das Symbol des Hammers für den Arbeiter und das der Sichel für den Bauern. Der Mensch hat sich dem System unterzuordnen.

Allegorien wirken auf den Rezipienten indirekt – so sie verstanden werden. Durch Mehrdeutigkeit versteht es der Künstler sich zu schützen, um sich nicht willfährig einer Diktatur hinzugeben zu müssen.

Es ist zwischen der verschlüsselten Allegorie und der in ihrer Aussage Eindeutigen zu unterscheiden.

Agnolo Bronzino`s Allegorie der Liebe ist ein „Inbegriff“ und zum Bild geworden.

Die Freiheit führt das Volk von Delacroix steht für den revolutionären Aufstand und war auch in der DDR in jedem Schulbuch zu sehen.

Diese Kunstwerke sind in ihrer Aussage eindeutig. Lediglich des künstlerischen Wollens wegen in diese Form gebracht und nicht um die Aussage zu verschleiern. Im Übrigen ist die Fahne austauschbar.

Eigentlich widerspricht die Verwendung vom Allegorien dem Diktat des sozialistischen Realismus, da dieser fordert die (sog.) Wirklichkeit – also Scheinwirklichkeit – wiederzugeben.

Weder Abstraktion noch Ästhetisierung waren erwünscht und eine intellektuelle Herangehensweise an die Kunst war ohnehin suspekt, da die Machthaber in ihrer Einfältigkeit Angst hatten das Dargestellte nicht zu begreifen. Trotzdem wurden solche Bilder nach den Niederungen des „Bitterfelder Weges“ toleriert obgleich argwöhnisch betrachtet. Die von mir 1983 Gemalten hätten aber nie das Licht der Öffentlichkeit sehen können, da sie doch zu eindeutig waren.

Das Bild „Paar mit Cupido“, entstand nach dem Entschluss das Land zu verlassen. Ein goldener Cupido (sarkastisch für den Begriff goldenen Westens) führt das Paar aus einer maroden Stadtlandschaft. „Audienz“ entstand im selben Jahr als zynischer Kommentar die opportunistische Bevölkerung betreffend. Bluttriefende Herrscher werden auf ihrem Thron vom Volk angebetet. Die Landschaft ist unwirtlich kahl und bedrohlich.

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