Imbiss Gohlis Nord Leipzig

Wenn Imbissbuden sterben und Bratwurststände verschwinden, ist der Weltuntergang nahe.

Imbiss an der Endstadition Leipzig

Wenn ich meine Runden laufe, komme ich dort vorbei. An der Endhaltestelle der Straßenbahn in Gohlis Nord Leipzig.

Es sah in letzter Zeit nicht gut aus. Der Imbiss war geschlossen und ich befürchtete, er sei ein Opfer der Virus-Epidemie geworden. Wenn Imbissbuden sterben und Bratwurststände verschwinden, ist der Weltuntergang nahe. Welch eine Freude, als ich einen Imbisswagen stehen sah, der als Interimslösung gedacht ist, wie sich herausstellte.

Erst war der Wagen noch zu. Aber dann! Die Klappe war offen. Nix wie hin.

Der freundliche Betreiber freute sich offensichtlich auch und wir sprachen gleich über die Qualität der Bratwurst und die Umbauten in der festen Behausung. Die Bratwürste kannte ich von seinem Grillstand in den Gohlis-Arkaden. Sie kommen von der Fleischerei Günkel aus Wasungen. Natürlich original Thüringen. Eine Fleischerei betrieben in der 4. Generation. Ich muss ihnen hier nichts über den Tönnis-Skandal aufschreiben. Der einzige Weg, um die Massenproduktion zurückzudrängen, ist bewusstes Kaufen. Deswegen lege ich nicht nur bei der Bratwurst Wert darauf, dass diese handwerklich hergestellt ist und nicht aus einer anonymen Fabrik kommt. Der nächste und logische Schritt wäre, Bratwürste in Bio-Qualität in das Sortiment aufzunehmen. Ein paar Cent mehr gehen für eine gute Wurst allemal. Der Versuch ist es wert. Mal sehen, wer zuerst auf die Idee kommt. Denn die Wurstkultur ist eine der ältesten Kulturen – was unsere Ernährung anbetrifft. Schon Homer beschreibt in der Odyssee, wie mit Begeisterung Würste vom Grill verspeist werden.

Dass die Jungs sich danach die Schädel einschlugen, ist eine andere Sache. Es ging um Penelope, die Ehefrau von Odysseus.

Der Wurstmann im Imbisswagen

Aber nun zur Wurst des Imbiss Gohlis Nord an der Endhaltestelle der Straßenbahn.

Die Bratwurst habe ich in den Gohlis-Arkaden verkostete. Eine Currywurst auch. Beides sehr gut. Wie könnte es mit der Knacker anders sein. Sie hat eigentlich ihre Tücken. Manchmal ist sie zu trocken. Im schlimmsten Fall wird sehniges Fleisch verarbeitet. Die am Imbiss Gohlis Nord Leipzig war saftig, würzig und ganz ohne den befürchteten sehnigen Anteil. Der Fleischer Günkel hält was auf sein Handwerk und, das wichtigste, er denkt an den Kunden.

Und nun zum Schluss noch ein kleiner Werbeblog.

Auf der anderen Straßenseite, Max-Liebermann-Str. 103, befindet sich ein Getränkehandel, so wie ich ihn liebe. Er vertreibt nicht die 0-8-15 Getränkekonzernbiere, sondern hat allerlei aus der Region. Echte Entdeckungen darunter. Zum Beispiel das Bier Stolzer Hahn mit diesem Werbetext: „Stille auf dem Land. Der stolze Hahn kuschelt mit seiner Henne. Nur Heidi schwingt fröhlich die Wäscheleine. Es ist Zeit für deine heimliche Liebe: ein Landsberger Pilsner – 100 % Land, total regional und grenzenloser Genuß.“

Und wer braut solch ein Bier? Zwei Schwestern in der zweiten Generation mit Produkten aus der Region.

Die Bockwurst vom Imbiss Gohlis Nord ist gut aber nicht hervorragend. Würzig und das Brötchen frisch und knusprig.
Bockwurst | Imbiss Gohlis Nord

Obwohl ich eigentlich einer der bekanntesten Bratwurst- und Bratwurstbudenforscher bin, verkoste ich auch anderes Material.

Knacker und natürlich Bockwürste in jeder Qualitätsstufe. Eigentlich bin ich mit der Bockwurst aufgewachsen. Im Stadtbad gab es immer Bockwurst und Fassbrause. Ja, ich weiß. Das ist lange her.

Heute habe ich beim Imbiss Gohlis Nord eine Bockwurst verkostet.

Sie bekommt aus der nach oben geschlossenen Bockwurstskala 8 von 10 Punkten. Brötchen war frisch und knusprig. Bei der Bockwurst vermisste ich den KNACK. Dieses Straffe und unwiderstehliche. Es darf beim ersten Biss durchaus spritzen und der Wurstsaft über die Hand fließen. Die Gohliser Bockwurst war in dieser Hinsicht zurückhaltend.

Demnächst berichte ich über den Fortgang der Imbissbuden-Story. Den das feste Gebäude ist bezogen und die Speisekarte ist erheblich umfänglicher. Alles frisch zubereitet.

Und übrigens. Die Aufschrift auf dem ausgeliehenen Wagen „SeilBahn“ weist auf die in der Nähe befindliche Gaststätte eines Kleingartenvereines mit selben Namen hin. Auch eine große Empfehlung wert!

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