Gatzemeier Der Sekretär – Roman

Gatzemeier Der Sekretär – Roman: In Gatzemeiers Erstlingsroman wird von einem zeitlebens ebenso desorientierten wie opportunistischen Karrieristen, von seinem Bemühen, als junger Mann in den 1930er Jahren dem kleinstädtischen Mief der sächsischen Provinz zu entfliehen, indem er einer Wachkompanie der SS beitritt erzählt.

Nach einem Vorfall im Dienst wird er an die Ostfront verlegt, gerät dort schwer verletzt in Gefangenschaft und kehrt geläutert , als Kommunist, nach Deutschland, in die Heimat, zurück. Als er in Berlin die resolute Tochter eines Ministers kennen lernt, ist für Sieghart Paul, dem Frauen stets viel bedeuten, mit denen er jedoch wenig anfangen kann, der Weg an die Macht geebnet: Er wird Erster Sekretär der SED-Kreisleitung in seiner Geburtstadt. Seine weitere Lebenslinie in den 70er Jahren verschlingt sich mit denen einer Jugendbewegung in der DDR, die der westlichen nicht ganz unähnlich ist, aber doch ganz anders: Sex, Drugs und Rock n Roll unter ständiger Beobachtung und ohne jedwede Duldung. Dennoch: Eine junge Frau löst sich von ihrem linientreuen Elternhaus und widersetzt sich der Anwerbung durch einen Stasioffizier. Ein junger Mann hat eine nicht ganz unübliche Begegnung mit der Staatsmacht, wird kaserniert, doch bleibt unklar, welches Vergehen er begangen haben soll. Am Ende führt die Geschichte, die vieles erzählt, was so oder so ähnlich passiert ist, seine Akteure auf freiem Feld zu einem klassischen Showdown mit Musik zusammen, der zwar so nicht passiert ist, aber durchaus hätte passieren können, Buchrückseite Ein Buch, das ein halbes Jahrhundert deutscher Geschichte entlang an dem bis zum Zerreißen gespannten Lebensfaden eines Mannes erzählt, der selten weiß, was er will, und deshalb lieber das tut, was man ihm sagt, der sein Auskommen haben und mitmachen möchte, während des Nationalsozialismus ebenso wie in der DDR. Die Tragikomödie eines Karrieristen, der gerade weil er zeitlebens den Kopf oben haben will, ihn am Ende verlieren muss, der mit dem Strom schwimmt und dennoch untergeht. Ihm entgegen schwimmen, hocherhobenen langhaarigen Hauptes, einige Unangepasste der 70er Jahre DDR-Jugendszene. Ihnen ist die freudlose kleinbürgerliche Erbärmlichkeit und Enge, die sich hinter den bunt bemalten Transparente und Wimpeln des real existierenden Sozialismus verbirgt, zutiefst zuwider. Statt dem verordneten Fröhlich sein und singen – der Zukunft zugewandt – All along the Watchtower : Jimmy Hendrix hat auch östlich der Elbe sein Werk getan!

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Badische Zeitung Freiburg

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