Das Freskenwunder von Loffenau

Das Freskenwunder von Loffenau Kreuzgewölbe

Der Nordschwarzwald ist bei Wanderern beliebt. Die Motoradfahrer sind zwar lästig, liefern jedoch alljährlich einige dringend benötigte Spendernieren.

Das Freskenwunder von Loffenau großes Bild

Das Freskenwunder von Loffenau bleibt vielen verborgen. Die Heilig-Kreuz-Kirche liegt zurückgesetzt an der Hauptstraße des Straßendorfes.

Man fährt vorbei. Und dies ist kein Wunder, erwartet man in den Kirchen des Nordschwarzwaldes doch keine bedeutenden Kunstwerke oder gar Fresken aus dem Mittelalter. Freilich hat Loffenau noch anderes zu bieten, aber Kirchen stehen derzeit wahrlich nicht hoch im Kurs.

Die Neugotische Heilig-Kreuz-Kirche ist von außen nicht spektakulär, hat jedoch einen sehr angenehmen Innenraum.

Wohnlichkeit dürfte zwar nicht der rechte Ausdruck für ein Gotteshaus sein, beschreibt aber gut mein Gefühl. Denn ein Stück Geborgenheit, wenn auch eine erhabene, und manchmal unfassbare, gehört für mich zum Kirchengefühl.

Die modernen Kirchen, mit ihrer zuweilen an Sporthallen erinnernden Architektur, sind mir zu wieder. Ob sie ein Zeichen der Entfremdung von Gemeinde und der Amtskirche darstellen, vermag ich nicht zu sagen, glaube es aber. Identitätsstiftend sind sie jedenfalls nicht. Wer geht schon in eine Garage um zu beten. Doch höchstens diejenigen, die zum Lachen in den Keller gehen.

Loffenau Heilig Kreuz Kirche neugotisches Kirchenschiff

In der Loffenauer Heilig-Kreuz-Kirche kann man wirklich zur Ruhe kommen und den Lärm des Alltags draußen lassen. Um sich zu besinnen, braucht es keinen Glauben.

Will man der Zeit noch ein wenig mehr entfliehen, zieht man sich in den Turmchor zurück. Da ist es dann – das Freskenwunder von Loffenau. Denn ein Wunder ist es schon, dass sich diese Fresken aus der alten Heilig-Kreuz-Kirche erhalten haben. Denn wir, als Gottes Kinder, machen uns nicht nur die Welt untertan und zerstören Gottes Schöpfung bedenkenlos. Nein, wir missachten auch unsere Vorfahren, schleifen gelegentlich deren Gebäude um Neues auf den verbliebenen Grundmauern aufzubauen. So ist es auch mit der alten Loffenauer Kirche geschehen. Sie stand schon um 1400 am gleichen Ort. Die Fresken sollen zwischen 1440 und 1455 hinzugekommen sein. Diese mittelalterliche Kirche wurde 1725 erst vergrößert und 1842 abgerissen, um die jetzige Kirche am selben Ort zu errichten. Der Turmchor ist, und hier sei Gott Dank gesagt, erhalten geblieben.

Nach dem ich die Sehnsucht solch eine Malerei frisch gemalt zu sehen, zu sehen wie die Farben früher leuchteten, überwunden hatte, begnügte ich mich mit den leicht stumpfen Überbleibseln.

Zeit und Licht wirken wie ein vergilbter Firnis. Da kann man nichts gegen tun. Zuweilen sind die Spuren der Zeit schön, wie ein faltiges Gesicht. Und trotzdem verfehlen diese Fresken ihre Wirkung nicht. Man kann lange im Turmchor verweilen und sich in den Bildgeschichten vom Heiligen Kreuz verlieren. Formen erkunden und Entdeckungen machen.

Loffenauer Fresken Nordschwarzwald im Dorf Loffenau

Hier geht das Spätmittelalter langsam in die Renaissance über. In Szenen, welche in Landschaften hineinkomponiert sind, sehen wir Tiefe. Perspektive!

Das Flächige der mittelalterlichen Malerei öffnet sich bis zum Horizont. Aber was mir am meisten Freude an der mittelalterlichen Malerei macht, sind die mit vielen Details erzählten Geschichten. Also Graphic Novels des Mittelalters. Selbst die in die Bilder eingefügten Texte dürfen nicht fehlen. Ein guter Ort wenn man im Nordschwarzwald ist.

Loffenauer Fresken Heilig Kreuz Kirche

Natürlich sollte man Loffenau erkunden – mehr hier
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 P.S. Es gibt zahlreiche Orte, welche nach dem heiligen Kreuz benannt sind. Meist besaßen diese Gemeinden Reliquien die Kreuzpartikel darstellten.