Wo alles schön ist fand ich Perugino

Eigentlich war ich mit meiner Begleitung nach Umbrien gekommen um die Fresken von Giotto in der Basilika San Francesco | Assisi im Original zu sehen und Stringozzi mit geriebenem Trüffel zu essen.

Doch es kam alles anders. Ich machte eine Entdeckung, die ich wirklich nicht erwartete. Der Giotto war gesehen und eine erste Portion Stringozzi verspeist, also war ein Ausflug in die nähere Umgebung angesagt.

Ich neige dazu, Gegenden planlos zu erkunden.

Von Assisi ins Tal gefahren sah man in einem hügeligen Gebiet, irgendwo um Perugia herum, eine Siedlung die Neugier weckte. Natürlich war Panicale eine schöne Ortschaft und das die erste Siedlung auf diesem Gebiet auf das Jahr 2000 vor Christus datiert wird, ist in dieser Region auch nicht ungewöhnlich.

Nachdem wir einige Gassen durchquert hatten, gerieten wir in ein Museum, gerieten wir in Kirchen, gerieten wir in Kapellen und – es verwundert nicht – trafen auf Massen von Kunst.

Darunter war Grandioses und auch schon einige Fresken und Fragmente von Perugino zu sehen. Zuerst konnte ich ihn noch nicht richtig einordnen. Mein Studium und die durchaus intensive Beschäftigung mit der Renaissance lagen weit zurück. Perugino kam nur am Rande vor. Meine intensive Beschäftigung galt Fra Filippo Lippi und dem Drumherum.

Und hier muss ich mich offenbaren. Es ist nicht schön, aber der Selbsterhaltungstrieb macht dies nötig. Ich freue mich, wenn ich bei derartigen Exkursionen auf lausige Bilder treffe. Freue mich, dass es auch in der Renaissance Loser unter den Kollegen gegeben hat. Sonst wäre es ja nicht auszuhalten. Man möchte sich wenigstens ansatzweise mit dieser Zeit messen können.

Kommen wir zur Sache und dem eigentlichen Ereignis zurück. Auf unserer Runde durch Panicale – welches auch mit „Wo alles schön ist“ übersetzt wird – trafen wir auf das Touristikbüro.

Da sah ich das Bild. Auf einem Aushang war es zu sehen – das Martyrium des heiligen Sebastian aus der Kirche San Sebastiano. Und nun war mir klar, in was ich hineingeraten war. Die umbrische Schule. Für mich der klassizistische Zweig der Renaissance. Ich bin mal so mutig eine Linie von hier über Ingres bis zum Picasso und seiner klassizistischen Phase zu ziehen. Die klare Linie und nicht so sehr das Malerische steht im Vordergrund dieser Kunstauffassung.

Ich betrat verhalten das Büro des Touristikbeauftragten und versuchte im verständlich zu machen, dass ich gern dieses Fresko gesehen hätte und wo und wie dies möglich sei. Fünf Euro gegen Quittung gab ich ihm und er nahm einen Schlüssel aus dem Schrank, führte uns zu der kleinen Kirche San Sebastiano, schloss auf und wir standen vor diesem imposanten Fresko. Unser Führer hatte nichts dagegen, dass ich dieses Bild von der Nähe betrachtete. Ja ich stieß fast mit der Nase auf den Putz, so genau wollte ich sehen wir das Bild gemacht sei.

Hervorragend restauriert, war es in einem nahezu neuem Zustand. Selbst die Kohlepünktchen der durchgepausten Vorzeichnung waren zu sehen als wären sie gestern aufgebracht.

Sie wissen eventuell was es zu Peruginos Zeit bedeutete Künstler zu werden?

In jenen Jahren gehörten die Maler Umbriens zur Ärzte- und Apothekerinnung und hatten eine Lehrzeit von mindestens neun Jahren zu absolvieren. Wenn ich einen Stift zur Hand hätte, würde ich den zuletzt geschriebenen Satz zwei Mal unterstreichen und ein Ausrufezeichen dahintersetzen.

Das Kunst eng mit dem Essen zusammenhängt, kann man dem Tagebuch von Pontormo entnehmen.

Also nahmen wir nach dem Kunstgenus ein schweres Mahl zu uns. So ist die Umbrische Küche im Gegensatz zu der leichten, ja fast luftigen Kunst.

Besonders das mit Eicheln gefütterte Schwein hatte es mir angetan.