Welche Frau war das Modell für die sixtinische Madonna?

Neben großen Lehrern sehen gute Maler oft blass aus.

Giulio Romano arbeitete in Raffaels Werkstatt und führte zum Teil dessen Kompositionen aus, ohne dass der Meister selbst Hand anlegte.

Dies ist ein Auszug aus dem Bilder-Geschichten-Buch die mystische Möhre

GiulioRomano (gen.-Poppi) Die Foruarina

Wirklich berühmt, wenn nicht berüchtigt, machten ihn jedoch seine erotischen Arbeiten, welche Pietro Aretino mit pornografischen Versen versah. Marcantonio Raimondi, der die Zeichnungen von Romano in Kupfer stach, kam in das Gefängnis und die Kirche setzte das Buch natürlich auf den Index.

Giulio Romano, Zwei Liebende, ca. 1525
Öl auf Leinwand, 163 x 337 cm, Sankt Petersburg

Ich muss gestehen, dass ich mich den Teufel darum geschert habe, wer auf der Heliogravüre abgebildet war,
als ich diese übermalte.

Und nun, wo ich die Texte zu den Arbeiten verfasse, wird alles ganz spannend. Stellt ein Maler einen Menschen lediglich seiner Schönheit wegen dar, ist es, gerade den späteren Generationen, herzlich egal wer das Modell war. Hier ist es also eine Fornarina genannte Schöne. Aber so einfach ist es nicht.

Bei meiner Recherche kommt raus, dass die bar- busige Fornarina des Raffael vielleicht von Giulio Romano modifiziert wurde. Damit erklärt sich, wieso auch er ein Porträt von ihr anfertigte. Sie diente beiden als Modell.

Raffael Fornarina in der Nationalgalerie Rom

Dass sie eigentlich Margherita Luti hieß und die Tochter eines Bäckers war und außerdem Raffaels Geliebte, ist auch zu lesen.

Aber es kommt noch toller. Die junge Frau, mit der augenscheinlich intensiven erotischen Ausstrahlung, soll die leibhaftige Sixtinische Madonna sein, vor der meine erzkatholische Tante immer andächtig stand und ein leises „Ave Maria“ betete.

Raffael | Sixtinische Madonna |Gemäldegalerie Alter Meister Dresden | 1513-14

Hätte sie gewusst, dass ihre Madonna, außerdem dass sie nackt Modell saß, auch eine Hauptrolle in Raffaels „Triumph der Galatea“ als Seenymphe spielte – um sie herum Kentauren und Seejungfrauen amouröse Spielchen vollführend – hätte sie der Schlag getroffen.

Auf der Stelle wäre sie tot umgefallen und die Perlen ihres zerrissenen Rosenkranzes hätten sich auf dem polierten Parkett der Dresdner Galerie verteilt.

Thomas Gatzemeier | Die Foruarina von Pippi (Giulio-Romano) übermalt 1998 | Kohle, Pastell auf Heliogravüre 50,7 x 37,8 cm