Straßburg ohne Nippes wäre schöner

Vor den Touristen waren unter anderem auch die Gallier in Straßburg und die Römer sowieso.

Die Hauptstadt des Elsass hatte es schon immer schwer. Die Römer wurden in einer Schlacht besiegt und die Stadt von Alemannen, Hunnen und Franken erobert. Im Mittelalter gehörte Straßburg zum Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Klingt martialisch, aber es sollte noch schlimmer kommen.

Nachdem die Stadt noch einige Male die Zugehörigkeit wechselte, kamen die Nazis. Trotz alle dem hat sich die Stadt gut erholt und ist von unwiderstehlichem Reiz. Der Tourismus ist schuld, dass die schönsten Gassen und Perspektiven – der Stadtplaner sagt Sichtachsen – mit unsäglichem Nippes zugemüllt sind. Denkmalsschutz ist dies für mich nicht. Mein ästhetisches Empfinden zutiefst verletzt auch wenn ich ein Teil dieses Übels bin.

Natürlich ist es nicht möglich die Menschen davon abzuhalten, an den „einen“ Ort zu strömen.

Das Straßburger Münster hat eine enorme Anziehungskraft. Die Cathédrale Notre-Dame de Strasbourg ist eine der bedeutendsten Kathedralen und war bis 1874 das höchste Bauwerk der Welt. Und auch hier haben idiotische Menschen ohne die geringste Ehrfurcht vor Kunst und Architektur enormen Schaden angerichtet. Das Gebäude wurde mehrfach bei kriegerischen Handlungen beschädigt, und während des reformatorischen Bildersturms Kunstwerke im Inneren zerstört. Kommt einem bekannt vor und sollte immer wieder reflektiert werden, um uns klar zu sein, was Religionen erschaffen haben aber auch zerstören und ob sie überhaupt noch in unsere Zeit passen.

Merken

Das Straßburger Münster dominiert das Stadtbild und gibt dem Fremden eine Orientierung.

Da der Bau eher romanisch begonnen wurde, ist er im Gegensatz zu den rein gotischen Kirchen sehr massiv. Das Mittelschiff ist für ein gotisches Bauwerk sehr breit. Der Aufenthalt im Kircheninneren kann nicht lang genug sein und derjenige, der bleiben darf, ist froh nicht zu einer der zahlreichen Reisegruppen zu gehören, für die Straßburg eine von vielen Stationen ist. Das Schmuckwerk in den Kirchenschiffen ist überaus reichhaltig. An Pfeilern sind in mehreren Etagen Skulpturen angebracht. Kleine Altäre in den Seitenschiffen aber auch die prunkvollen Glasfenster sind eher in Ruhe zu betrachten, um Sie in Ihrem Reichtum auch erfassen zu können.

Eher selten findet man Uhren im Inneren eines Gotteshauses. Ich hätte Ihnen gern eine Aufnahme von dieser gezeigt, aber Sie war dermaßen belagert, dass ich mich nicht in deren Nähe traute. Also müssen Sie selbst hinfahren. Tun Sie dies in der Nachsaison – am besten im November – dann ist die Stadt nicht so überfüllt

Man wähnte sich nicht in Frankreich, wenn man ihn nicht träfe – den Clochard. Freilich ist dies romantisierend und soll nichts beschönigen, aber irgendwie kommt es mir vor, als wären die Wohnsitzlosen in Frankreich andere als die bei uns zu sehenden.

Nach dem Besuch des Münster mit dem Besuch – denn von meinem Hauptwohnsitz aus ist es nicht weit nach Straßburg und immer wieder gern mit Gästen gemacht – üben wir Flanieren.

Vom Flaneur, dem Umherstreifenden, Schlendernden abgeleitet ist diese eher sinnfreie Beschäftigung eine typisch französische. Unserem einen – oft vergeblichen – Sinn innewohnenden Leben ist das Flanieren eher fremd geworden. Rasend durchqueren wir die Welt und nehmen selten mehr als deren Oberfläche war. Deshalb gibt es keinen Plan und wir gehen, um die Kirche herum in die umliegenden Gassen um uns die Schaufenster zu betrachten.

Obwohl Europa in Straßburg parlamentarisch vertreten ist, hat sich der Selbstbehauptungswille durchgesetzt und die andere Kultur lässt sich trefflich an und in den Schaufenstern ablesen. Es gibt in der Tat noch kein vereinheitlichtes „Europaschaufenster“ auch wenn der vereinigte bürokratische Wahnsinn vermutlich schon daran arbeitet.

Wer flaniert bekommt nach einer gewissen Zeit Hunger.

Nicht nur die Auslagen der Geschäfte regen die Kauflust an, sondern auch die hübsch präsentierten Speisen. Für „Klein“ und Weib das Eis für den Mann die Wurst. Da gibt es die selbst gewählte Geschlechtertrennung und das ist auch gut so. Und gewundert hätte es schon in Frankreich keine Fromage Blanc Eis zu bekommen. Um das Bukett der Geschmäcker abzurunden, passt gut Basilikumeis und Zitroneneis dazu.

Da ich als internationaler Wursttester immer im Dienst bin, probierte ich gleich zwei Würste. Die Erste war ein Hotdog. Das können sie voll vergessen Hotdog Citi – pervers. Das Elsass und seine Wurst ist ein komplexes Thema und hat viel mit der Identität der Bevölkerung zu tun. Die Wurstsorten und ihre Besonderheiten sind über die Grenzen berühmt. Eine der typischen Würste ist „das Knack“ eine rosafarbene Kochwurst, die deutlich knackt, wenn man in sie beißt. Sauerkraut dazu darf nicht fehlen.

Und was bekommen ich bei Hotdog City in Straßburg? Ja ein Hotdog, wie ich es in den USA in Buxtehude, Berlin, Brüssel, Boston und auf den Bermudas bekomme, bekomme ich auch in Straßburg.

Von tüpischen Knacken beim Biss in eine Wurst keine Spur. Eben sowenig von Geschmack. Wenn das die Globalisierung ist, kann ich darauf verzichten. Wohl hatte das Elsass eine wechselhafte Geschichte. Bis heute ist die Gegend alemannisch geprägt. Also gehört ein Hotdog nicht zur Tradition, obwohl die Amerikaner auch dieses Gebiet befreiten. Soweit geht Freundschaft nicht! Denn es geht um die Wurst!

Was mein Mundgefühl aber noch mehr beleidigte als die lasche Wurst, war das Brötchen. Die watteartige Einsteckhülse aus fluffigen Teig. Gruselig. Und die Röstzwiebeln aus der Dose. Ekelig.
Sie denken, warum ich dies gegessen habe? Hätte er doch gleich wissen müssen. Ein wissenschaftlicher Selbstversuch. Denn wenn ich berichten möchte, muss ich mein Leben riskieren.

Um diesen Geschmack aus dem Mund zu bekommen, setzte ich mich in eines der zahlreichen Straßenkaffees und aß ein Stück von der Mutter aller Napfkuchen – dem Gugelhupf. Dann war alles wieder gut.

Ein Tag in Straßburg geht schnell vorüber, da er mit vielen Eindrücken verbunden ist.

Die Augen laufen förmlich über. Natürlich sollte man auch die paar Schritte in das „La Petite France“ gehen. Ein charmantes Stadtviertel, das gut erhaltene Fachwerkbauten bietet und von vier Armen der Ill durchflossen wird. Jedoch habe ich es noch nie geschafft, mit einem der Ausflugsboote zu fahren. Man soll sich ja immer etwas für später aufheben – sage ich mir jedesmal. Also geht es durch die gesamte Innenstadt hindurch um das Auto wiederzufinden, welches an irgendeinem der zahlreichen Gewässer steht. Und dann komme ich doch noch an der richtigen Wurst vorbei. Das nächste Mal. Straßburg ohne Nippes wäre schöner – das sei nochmals betont.

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