Riom war eine Entdeckung in der Auvergne
Riom liegt nicht genau in der Mitte von Frankreich aber mittendrin.
Manchmal sind es gerade die Orte, von denen man vorher kaum etwas wusste, die sich am tiefsten ins Gedächtnis einschreiben. Riom war für uns eine solche Entdeckung in der Auvergne.
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Dabei ist diese kleine Stadt keineswegs ein großes touristisches Ziel. Und das, obwohl man von erhöhtem Standort aus bis nach Volvic blicken kann. Immerhin.
Während die Hauptstadt des französischen Mineralwassers klar und ohne Fernglas zu erkennen ist, bekommt man in Riom jedoch ausgerechnet kein Volvic zu trinken. Nirgends. Hier bevorzugt man offenbar S.Pellegrino aus Italien – jenes Wasser mit dem etwas höheren Urananteil. Schließlich befinden wir uns im Land des Atomstroms.
Allerdings erwies sich Riom als ausgesprochen sehenswert – als eine jener Städte, in denen man unversehens länger bleibt, als ursprünglich vorgesehen.
Im Grunde verdankten wir diese angenehme Entdeckung einem Reifen. Jenem unscheinbaren Teil unseres Automobils nämlich, das sich während der Fahrt auf der Autobahn mit bemerkenswerter Entschlossenheit in seine Bestandteile auflöste.
WICHTIGE SEHENSWÜRDIGKEITEN
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Wer, von Lyon kommend, an die Atlantikküste möchte und die Autobahn benutzt, muss einen kleinen Umweg fahren und kommt dabei beinahe zwangsläufig an Riom vorbei.
Hat man dies geschafft, biegt man links ab und fährt weiter Richtung Westen.
Der Pneu allerdings musste neu. Also wurden wir abgeschleppt und landeten in einem Motel. Immerhin war auch dies eine Erfahrung: Motel im Industriegebiet. Kein Auto mehr. Die Stadt gut dreißig Minuten Fußweg entfernt. Für den modernen, mobilen Menschen eigentlich ein kaum erträglicher Zustand.
Freilich hätten wir lieber direkt in Riom übernachtet. Zwischen Wohnhäusern, geöffneten Fenstern und Menschen auf den Straßen. Mit Bistros natürlich. Und mit all dem, was zu Frankreich gehört und weshalb man überhaupt dorthin fährt.
Jedoch besitzt diese Stadt mit immerhin fast zwanzigtausend Einwohnern offenbar kein einziges Hotel. Außer natürlich das „Hôtel de Ville“. Doch dort ging am Wochenende niemand an den Fernsprechapparat der Rezeption. Dieses zentral gelegene Haus blieb uns also verschlossen.
Diese Erkenntnis – zusammen mit dem Containercharme unserer Herberge im Industriegebiet – dämpfte die aufkeimenden Erwartungen erheblich. Auf Google Maps sah die Situation nämlich gar nicht so unerquicklich aus. Von oben betrachtet.
Um nicht in der öden Vertreterunterkunft zu versauern, nahmen wir schließlich bei sengender Hitze den Weg in die Stadt in Angriff. Immerhin mussten wir drei Tage ausharren, bis ein neuer Reifen aufgetrieben war. Wenngleich ich viel von Entschleunigung halte, kam diese diesmal zur Unzeit.
Um nicht in der öden Vertreterherberge zu versauern, nahmen wir bei sengender Hitze den Weg in die Stadt in Angriff.
Schließlich mussten wir drei Tage ausharren, bis ein neuer Reifen aufgetrieben war. Wenngleich ich viel von Entschleunigung halte, kam diese diesmal zur Unzeit.
Obschon unsere Erwartungen durch verschiedene subjektive Empfindungen bereits gedämpft waren, erwies sich dieser Zwangsaufenthalt im Nachhinein als Glücksfall. Denn Riom ist, wie so viele französische Kleinstädte in der Provinz, erstaunlich gut erhalten geblieben.
Kein Nachkriegsbauwahn zerstörte hier die gewachsenen Strukturen, um die Stadt dem Automobil unterzuordnen. Keine Schneisen für den Verkehr. Keine entseelten Betonachsen nach dem alten Motto: freie Fahrt für freie Bürger in zunehmend unbewohnbaren Städten.
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Zuerst sollten Sie den Uhrenturm von Riom besuchen. Einerseits ist er bereits für sich genommen sehenswert – ein schöner Renaissancebau von angenehmer Strenge. Andererseits bietet seine Plattform einen wunderbaren Überblick über Riom und die umliegende Landschaft der Auvergne.
Denn bei einer Stadt verhält es sich wie bei vielen Dingen des Lebens: Erst kommt der Überblick – und dann der Einblick.
Der Flecken – ein schöner alter geografischer Ausdruck – auf dem wir nun wandelnd unterwegs waren, wurde bereits früh von den Römern besiedelt und hat bis heute zahlreiche architektonische Schätze aufzubieten.
Natürlich ist auch Riom den Veränderungen der Zeiten nicht entgangen.
Im 18. Jahrhundert erlebte die Stadt nicht nur einen wirtschaftlichen Aufschwung, sondern dehnte sich auch weiter aus. Häuser wurden umgebaut, Fassaden verändert und manches dem jeweiligen Geschmack der Epoche angepasst. Dennoch bewahrte man die gewachsene Struktur Rioms und verfolgte nicht jene rücksichtslose Vorstellung, ganze Stadtviertel niederzureißen, nur um modern zu erscheinen.
Freilich, es ist jetzt nicht so, dass in Riom das Leben brummt. Die meisten Geschäfte öffnen erst spät und das auch nur von Mittwoch bis Samstag. Andere dagegen haben für immer zu.
Jedoch waren die Kirchen Église Notre-Dame-du-Marthuret und die Basilique Saint-Amable geöffnet.
Schon allein deshalb ist ein Besuch dieser Stadt mehr als gerechtfertigt, denn beide Gotteshäuser haben es in sich. Die eine von ernster gotischer Wucht, die andere erfüllt von jener französischen Mischung aus Würde, Patina und gelebter Geschichte.
Entsprechend meines selbst auferlegten kulturellen Bildungsauftrages habe ich Ihnen dies selbstverständlich ausführlich beschrieben. Sämtliche Beiträge zu dieser bemerkenswerten Stadt finden Sie auf meinem Blog.

Schließlich stößt man am Rande von Riom dann doch noch auf einen ausgesprochen martialischen Neubau.
Ein Wachturm erhebt sich dort an der Ecke der alten Ummauerung der Justizvollzugsanstalt. Auch Gefängnis oder, etwas altertümlicher und zugleich treffender formuliert: Kerker genannt.
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INFOBOX – Riom | Auvergne
Riom ist eine historische Kleinstadt im Département Puy-de-Dôme in der Region Auvergne und zählt zu den überraschend gut erhaltenen Städten Zentralfrankreichs. Die ehemalige Hauptstadt der Auvergne liegt nördlich von Clermont-Ferrand am Rand der Vulkanlandschaft der Chaîne des Puys. Trotz ihrer historischen Bedeutung ist Riom bis heute weitgehend vom Massentourismus verschont geblieben.
Das Stadtbild wird von dunklem Vulkanstein geprägt, der aus der Region stammt und vielen Gebäuden ihren charakteristischen, fast strengen Ausdruck verleiht. Besonders sehenswert ist der Renaissance-Uhrenturm Tour de l’Horloge, von dessen Plattform sich ein weiter Blick über die Dächer der Stadt bis in die Landschaft der Auvergne eröffnet.
Zu den wichtigsten Bauwerken gehört die Basilique Saint-Amable. Die romanische Kirche geht in ihren Ursprüngen auf das Mittelalter zurück und besitzt ein eindrucksvolles Langhaus sowie eine bemerkenswert ruhige Atmosphäre. Ebenso bedeutend ist die Église Notre-Dame-du-Marthuret aus dem 14. Jahrhundert mit ihrer gotischen Architektur und den kunstvollen Glasfenstern.
Kulturell besitzt Riom ebenfalls Gewicht. Das Musée Mandet zeigt Kunsthandwerk, Gemälde und Designobjekte aus mehreren Jahrhunderten. Ergänzt wird dies durch das Regionalmuseum der Auvergne, das Einblicke in Geschichte, Alltag und Traditionen der Region vermittelt.
Wer durch die Altstadt geht, entdeckt zahlreiche Bürgerhäuser, Arkaden, Innenhöfe und kleine Plätze, die von der wirtschaftlichen Bedeutung Rioms in früheren Jahrhunderten erzählen. Anders als viele Städte wurde Riom nie radikal autogerecht umgebaut, weshalb die historische Struktur weitgehend erhalten blieb.
Die Stadt eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt für Reisen durch die Auvergne, zu den Vulkanlandschaften des Zentralmassivs oder in die umliegenden kleinen Orte. Gerade die Mischung aus Geschichte, Provinzialität, französischem Alltag und überraschender architektonischer Qualität macht Riom zu einer stillen Entdeckung abseits der großen Touristenströme.
Hir noch der Link zu den wichtigsten Veranstaltungen – Ereignisse in und rund um Riom.























