No No - Jo Jo oder der Raub der Zusammenhänge

Schon in der Interieurmalerei mit Damen, den Sofabildern, entglitt mir die Wirklichkeit. In dem Gemälde No NoJo Jo entsteht eventuell eine neue Welt.

Unschuldige Frauen werden von Raben bedrängt. Der Boden ist ein steiniges Feld und die Zusammenhänge des Dargestellten sind für vielerlei Interpretationen offen. Auch diese Bildfindungen sind dem Traum näher als der Realität. Fern des Alltags und doch vermitteln sie Gefühle, in die sich der Betrachter eindenken kann. Wer hat nicht den Film die Vögel von Alfred Hitchcock gesehen? Bildentwicklungen sind ein schleichender Prozess und lassen sich nicht aufhalten.

Die Vögel 2008 Öl auf Lwd. 110x130 cm

In dem Grafikzyklus „Fetischismus“ des Jahres 2013 deuteten sich bereits die neuen bildnerischen Ansätze an. Die nackte Frau steht noch im Mittelpunkt, wird aber schon von diversen Tieren und erzgebirgischem Kunstgewerbe begleitet wenn nicht gar bedrängt.

„naschen“ 2013 Farbvariante 4 Giclée – Pigmentdruck 43 x 60 cm

Die Art dieser Bildfindungen kann nicht dem archetypische Automatismus der frühen Surrealisten zugerechnet werden, trägt jedoch Elemente davon in sich.

„Die vom Gehirn befreite Hand bewegt sich, wohin die Feder sie führt; und sie führt Kraft einer erstaunlichen Behexung die Feder so, dass diese lebendig wird, aber weil die Hand jede Verbindung mit der Logik verloren hat, nimmt sie, auf diesem Wege wiederhergestellt, mit dem Unbewussten Verbindung auf.“ (Wikipedia)

Im Gegensatz zu dieser Form des Automatismus, ist in meinen hier beschriebenen Arbeiten der konkrete Gegenstand anwesend, obwohl er dann doch nicht der üblichen rationalen Logik zu folgen scheint. Das Eigenleben der Dinge beginnt.

Zwölf Uhr mittags 2014 100 x 130 cm Öl auf Leinwand

2014 entsteht das Gemälde „Zwölf Uhr mittags“ und das Bild „Des Jägers Freiheit“.

Das Letztgenannte trägt heute den Titel „No NoJo Jo“. Es ist in der ersten Variante zwar da, wird aber in den Jahren 2016-17 nochmals gründlich überarbeitet. Menschliche Wesen haben den Bildraum verlassen, um diesen der Natur zu übergeben.
Die Freizeit des Jägers 2014 Öl auf Leinwand 100 x 130 cm (Übermalt)

Nach dem das Bild reproduziert war, stand es lange mit dem „Gesicht“ an einer Wand des Ateliers und entwickelte sich zu einem typischen Problembild.

Betrachtete ich auch nur die Rückseite des unfertigen Gemäldes, war mir klar, so konnte es nicht bleiben. Von Zeit zu Zeit drehte ich die Leinwand um und geriet mehrfach in Versuchung es mit einer neuen Grundierung zu überpinseln.

No No - Jo Jo 2014 - 17 Öl auf Leinwand 100 x 130 cm

Der Pinguin rettete das Bild. Er klärte die Verhältnisse am linken Rand.

Ich neige ohnehin zu ausgeglichenen Kompositionen und nenne das Ergebnis gern Streukomposition.

Wir kennen derartige Kompositionen von Paolo Uccello und den Malern der flämischen Stillleben.

In diesen Bildern gibt zuweilen eine zentrale Figur oder einen dominanten Gegenstand, um welchen sich eine Vielzahl von Bildelementen gruppiert.

Das Gemälde No NoJo Jo könnte der Anfang eines neuen Zyklus sein. Genaues weiß man nicht. Das hat die Malerei wie auch das Leben im Allgemeinen auszuhalten. Nur weniges ist sicher.

So unwirklich wie das Dargestellte, so vielfältig die Interpretationen. Der Hintersinn ist der eigentliche Sinn einer solchen Komposition. Beraubt man Gegenständen, oder Wesen jeglicher Art, ihren gewohnten Zusammenhang, werden sie neuartig gesehen und irritieren zuweilen. Sie können uns aber auch neue Geschichten erzählen.
 
Pittura Metafisica könnte ein Terminus für diese Bilder sein obwohl doch anders in der Gegenständlichkeit.

Hier geht es zu den in 2017 signierten Arbeiten.

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