Luxor und das Tal der Könige waren wohl imposant, die Wüste aber das beeindruckendste des Ausflugs.

Diese unendliche Weite. Das tansparente Blau des Himmels mit seiner unvorstellbaren Leuchtkraft. Als hätte der Schöpfer in oder über die Farblehre habilitiert – so waren die Farben komponiert. (Damals gab es noch keine Honorarprofessuren, die man sich gegenseitig zusteckt). Ein geradezu himmlisches Blau, viel heller und durchscheinender als bei uns im Norden, erstreckt sich – zum Horizont heller werdend – über den Reisebus.

Cuprorivait, ägyptisches Blau, ist nicht umsonst eines der ältesten Pigmente. Wer solch einen Himmel hat, erfindet auch Blau als Pigmentfarbton um den Himmel zu sich auf die Erde zu holen und dem Gelbton des Wüstensandes komplementär entgegenzustellen.

Die Gebrauchsanweisung für die Wüste stand gleich hinter dem Ortsausgang der Stadt Safaga in dessen Hafen unser Musikdampfer angelegt hatte.

Tief in der Wüste sahen wir immer wieder die Behausungen der Beduinen. Die Lager waren meist in der Nähe von Hochspannungsmasten aufgeschlagen. Nachts schaut auch der Beduine gern eine Soap-Opera und braucht dazu Strom. Mit langen Stangen holt er ihn von den Starksromleitungen zu sich in die Hütte.

Haben Beduinen Eigenheime?

Alle 10 bis 20 Kilometer bremst der Bus abrupt um die holprigen Hindernisse an den meist verlassenen Check-Points zu überwinden.

Der Muslimbruder regierte zu dieser Zeit, da braucht er sich nicht vor sich selbst zu schützen. Aber mit Sicherheit müssen jetzt andere Menschen geschützt werden.

Es sieht in Ägypten nicht gut aus. Wenn man den Reiseleitern genau zuhört, merkt man das es in diesem Staat gewaltig brodelt. Der erste Reiseleiter schien sich den Muslimbrüdern zugeneigt zu fühlen. Die Reiseleiterin war eine stramme Verfechterin liberaldemokratischer Ideen. Aber bei beiden spürte man, dass sie die kontroversen Meinungen in ihrem Denken überhöhten. Da stoßen Welten aufeinander.

Vieles, wie zum Beispiel Sex nach dem Tod, ist für uns unvorstellbar.

Das von Islamisten dominierte Parlament will angeblich den Sex nach dem Tod erlauben. Männern soll zugebilligt werden einen sogenannten „Abschieds-Verkehr“ bis zu sechs Stunden nach dem Ableben mit ihren Gattinnen zu haben, denn die Ehe bestehe über den Tod hinaus. Mädchen sollen schon mit 14 Jahren verheiratet werden dürfen und die Beschneidung von jungen Frauen ist legaler als je zuvor. Sie merken, ich bin hier nicht daheim.

Hochkulturen gehen regelmäßig unter.

Ein Land stagniert, wenn es nicht gar viele Stufen zurückfällt. Die ägyptische Kultur, die griechische Kultur und die Hochkultur der Renaissance sind nur einige Beispiele. Danach ging es bergab. Was mit unserer fragilen Demokratie geschehen wird, ist auch nicht vorherzusagen. Josef Ackermann und Dieter Bohlen sind keine Höhepunkte deutscher Geistesgröße. Politikernamen möchte ich mir ersparen. Auf alle Fälle bleiben die Paläste Tempel Skulpturen und Malereien. Nicht nur in Ägypten. Und wenn die Schätze von korrupten Beamten verschachert werden tauchen sie eines Tages doch wieder auf.

Auch der zweiten Besuch im Karnak-Tempel war überwältigend.

Vor Jahren dachte ich noch nicht einmal daran ihn sehen zu können. Als junger Mann hatte ich das Glück mich zweimal mit ihm im Kunstgeschichtsunterricht beschäftigen zu können. Luxor und das Tal der Könige gehörte ins Grundstudium. Erst konnte ich nicht reisen und dann waren mir andere Ziele näher – auch kulturell.

Da ich ausversehen in das Kunstprogramm der Musikdampfergesellschaft AIDA geraten bin und mich verpflichtet habe die eine oder ander Reise als Künstler und Vorleser zu begleiten sehe ich Orte, von denen ich wohl wusste, die aber nie mein Ziel waren. Noch nicht mal auf die Idee kam ich dahin zu fahren.

Weil ich eigentlich ein Reisemuffel bin und mir Paris und die Toskana reichen.

Wenn ich ein wenig früher nach Luxor gekommen wäre, sagen wir mal 1000 Jahre, hätte ich den Tempel in voller Bemalung gesehen. Die Griechen waren natürlich früher als ich in Luxor und haben sich einiges abgeschaut. Wenn wir die Vergangenheit betrachten, denken wir oft es sei so wie wir es sehen. Gewaltigt täuscht man sich. Einiges war bunter und anderes unvorstellbar.

Auch besuchten wir wieder das Tal der Könige – der Toten. Jetzt ist auch im Außenbereich jegliches fotografieren verboten und man soll eine DVD erwerben. Die Händler sind aufdringlicher als je zuvor. Das ermöglichte mir das Erlernen des absoluten Ignorierens. So wie bei den Anrufen meines Bankberaters. Obwohl – mit dem spreche ich immer ein paar Worte. Immer die gleichen. „Warum er noch arbeite, wenn er solche bombigen Anlagetipps mit riesiger Rendite hat? Hebeln sie das Zeug mit einem Kredit und legen sich in die Sonne.“ Sage ich ihm dann. Wenn ich so überlege… Der hat schon lange nicht mehr angerufen. Liegt wohl tatsächlich in der Sonne. Oder sitzt auf dem Arbeitsamt.

Luxor und das Tal der Könige und auch Kolosse sind immer wieder Kolossal. Und jetzt wissen wir auch, woher dieses Wort stammt.

Dann sahen wir den Nil, der mir nach dem Amazonas sehr mickrig vorkam. Würde ich natürlich keinem Ägypter sagen – das wäre zu gemein!

Dann sahen wir wie Fleisch abgehangen wird. So bekommt man den ältesten Esel mürbe.

Und Kunst am Bau gab es natürlich auch.

Ob und wie die Schutzbauten des Herrn Mubarak in die Kunstgeschichte eingehen, scheint noch nicht klar zu sein. Es gibt im Land bestimmt Tausende von diesen. Irgendwie muss man ja was daraus machen. Würschtelbuden vielleicht oder Kugeleisverkaufsstellen? Imbisbuden oder Trinkhallen. (Für Tee)

Wenn Herr Trittin eines Tages Bundeskanzler ist, könnte er nach Ägypten ziehen um sein antikes Modell zur Müllentsorgung auch in Nordafrika einzuführen. Alles sortieren, und dann wider zusammenzuschmeißen, um es zu verbrennen. Niemals – schon entwickelte – hochintelligente Automaten zulassen die Müll vollautomatisch und sortenrein trennen können. Die Geschäftsführer der Müllmafia würden ihn nie wieder zum Essen einladen. Sie sagen solche Einladungen nimmt er nicht an? Ich glaube ihnen!

Er könnte auch ein bischen was verbieten. Wasserpfeifen und die gefährlichen Kokosbäume von denen Nüsse fallen. Tuck tuck`s und den Tourismus überhaupt.

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