In der Druckkabine über Mesopotamien

Wer immer noch denkt, reisen hätte etwas mit der Weite des Raums zu tun der irrt! In der Druckkabine über Mesopotamien – der Weg nach Cochin. Zeit ist das Maß.

Auf engsten Raum fliegend in der Druckkabine über Mesopotanien eingesperrt gibt es nur ein Maß. Die Zeit bis zur Landung und die Befreiung aus der Aluminiumhülse. Obwohl man der Unendlichkeit des Alls ein wenig näher ist, die plattfüßige Schwerkraft fast ausgetrixt, fühlt man sich doch so eng wie selten eingesperrt. Und nahe auch – dem Mensch an sich.

Was habe ich nicht alles über das Zweistromland gelernt. Zwischen Euphrat und Tigris ging es den Menschen, dank reicher Ernten, so gut das sie die ersten Verwaltungen gründeten.

Die Geburtsstunde des gemeinen Beamten schlug. Könige hatte man dann natürlich auch. Heutzutage schlägt man sich da unten – wegen dem Öl, mit dem wir hier oben fliegen – die Schädel ein.

Abu Dhabi – Druckkammerröhrenwechsel. Schon waren wir in Indien angekommen.

Im Prinzip. Es flogen zwei Bleichgesichter zwischen indischen Gastarbeitern auf Heimaturlaub über das Meer auf dem wir dann zurückfahren. Die Inder fliegen oft hin und her, denn der Saudi arbeitet nicht so viel und auch nicht so gern denn er muss das Geld zählen, welches ihm das Öl beschert welches wir in den Turbinen verbrennen.

Die Stewardessen der ETIHAD sehen ganz blass oder aber tiefschwarz aus. Die uns Bedienenden hatten Namenschilder, auf denen Tamara (aus der Ukraine) und „Schakeliene“ (aus Sachsen) stand.

Da ich vor einigen Jahren im Verlauf einer Kunstvermittlungsmusikdampferreise in Abu Dhabi war und Wechselrahmen im IKEA kaufen musste, kann ich berichten, dass die Häuser in der Ölstadt besonders groß sind und die glitzzerglänzenden Autos so viel Hubraum haben, wie sich ein mancher bei uns den durchschnittlichen Verbrauch der Automobilflotte wünscht. Wo das Öl sprudelt, wird Geld verjubelt. Der IKEA aber ist so wie bei uns. Jedoch mit zwei kleinen Moscheen davor. Eine für Männchen und eine für Weibchen.

In Cochin gelandet, trafen wir nicht nur einen Beamten.

Viele waren es. Heilige Kühe sahen wir noch nicht. Es dauerte vier Stunden, bis wir auf das Schiff gelangten. Formulare, Formulare, Formulare. Nach der letzten eidesstattlichen Versicherung der Unschuld an sich und im Besonderen trat ich auf den Balkon und sah, dass man uns bewachte. Das Mistrauen schien anzudauern.

Ansonsten versuchen wir uns heute wenig zu bewegen, denn es ist nach all dem Durchlebten überraschend warm. Und feucht auch. Sehr feucht. Achtunddreißig Grad feucht. Fast nass also. Mein Dienstplan habe ich bekommen. Morgen spät am Abend habe ich auf der großen Bühne zwei Kopfstände und einen Purzelbaum vorzuführen. Also ich werde vorgestellt. Gespräch mit Künstler. Kalkschau. Vorher sehen wir uns das Festland aber noch näher an. Die Stadt nennt sich New Mangalore. Unser Hotel wird in der Nacht da hingefahren.

Die Raben sind hier viel schlanker. Soviel ist schon mal sicher.

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