Au – Sieg -als Knotenpunkt und das Hotel dazu

Au – Sieg -als Knotenpunkt spielt seit 1887 in der 3 Liga. Freilich ist dies nicht jedem bekannt.

Vor allem denjenigen, welche sich nicht eingehend mit Eisenbahnknotenpunkten beschäftigen und deren Bedeutung einzuschätzen wissen. Immerhin spielt Au in dieser Beziehung in der gleichen Liga wie Mülheim (Ruhr), Zwickau (Sachs), Eisenach (Thür) oder auch Bergen auf Rügen. Wohlgemerkt bei einer Einwohnerzahl von 295 Seelen. 1887 soll es lediglich vier Häuser gegeben haben. Die Generalverwaltung der Deutschen Reichsbahn entschied so und Au (Sieg) wurde zum Eisenbahnknotenpunkt. Damals gab es noch einen aktiven Bergbau in der Region und das Gebiet musste erschlossen werden. Heute wird zur Arbeit gependelt, wie die voll belegten Parkplätze nahe an der Umsteigestelle zeigen.

Merken

Um gestrandete Passagiere nicht erfrieren – respektive verhungern zu lassen – wurden in der Nähe von Bahnhöfen Hotels gebaut.

Um so moderner die in Bundesbahn umbenannte Reichsbahn wird, um so wichtiger werden Asyleinrichtungen für zahlende Gäste. Da Eisenbahnknotenpunkte durch die Umstiegsmöglich- oder Unmöglichkeit besonders anfällig sind, sind Hotels gerade da von Nöten.

Auf dem kleinen Bahnhofsvorplatz gibt es natürlich auch jeweils eine Taxi- und Mitwagengesellschaft sowie einen derzeit geschlossenen Imbiss, der zusammen mit einigen anderen aussagekräftigen Details, mehr über die Region aussagt als jede Statistik.

Trotzdem schön – die Landschaft. Radfahrende und wandernde Touristen sah man durch die Gegend streichen.

Die genialen Marketingexperten des Sieg-Kreises erfanden die Sieg-Freizeitstraße auf der die Arbeitspendler aus den Bergen zur Arbeit und zurück eilen. Wenn wir derart geniale Fachkräfte nicht unter uns wüssten, die Fächerstädte, Stiefelstädte und ähnliches erfinden, wäre die Welt entschieden ärmer. Slogans des Stadt- und Regionalmarketing wie „viel vor und nix dahinter“ oder die eher sexistische Parole „Leipzig kommt“ kosten enorme Summen und bringen der Druck- und Werbeindustrie gute Umsätze ohne die unsere Wirtschaft schon lange zusammengebrochen wäre.

Als junger Mensch war ich begeisterter Angler, wenn dem noch so wäre, käme ich regelmäßig hier her. Mit Sicherheit würde mir die freundliche Wirtin meinen Fang am Abend zubereiten.

Das Hotel Auermühle hat eine besondere Aura. Obwohl irgendwann in den 70ern saniert, spürt man die 50er und 60er Jahre des vergangenen Jahrtausends.

Ich sehe Familien im 220er nach dem Kirchgang am Sonntag vorfahren. Papa hat die Weißwandreifen am Sonnabend nach der Arbeit mit der Schuhbürste poliert. Der Sohn trägt einen Matrosenanzug und Mutter hat ihre Nylons mit Naht an. Rouladen mit Rotkraut und dazu ein Kölsch. Danach ein guter Weinbrand von Gebrüder Franzen.

Das Hotel besitzt nicht nur eine Aura, sondern auch einen speziell darauf abgestimmten Geruch. Einige würden behaupten es sei nicht gut gelüftet. Ich behaupte es riecht nach Zeit und die Einrichtung sieht auch so aus. Die Küche ist ganz gut. Das Rindersteak war auf den Punkt und die Pilzsuppe ausgezeichnet und wirklich nicht aus der Tüte. Sie fragen sich sicher wie ich an den abgelegenen Ort gelangte. In der Regel gibt es zwei Möglichkeiten, so man nicht mit dem Zug in Au (Sieg) ankommt. Entweder Vollsperrung auf der Autobahn und sie verirren sich bei der Umgehung des Staus. Oder es ist Kölner Messe und sie finden kein Zimmer weit und breit. Also in 50 Kilometer Umkreis. So weit ist es mit der Bahn von Köln nach Au – Sieg -als Knotenpunkt nicht. Deswegen auch Kölsch zum Essen.

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