13. Transamazonas 8. Seetag „Stigmatisierung“

Einer der Sonnenuntergänge

Schön ist solch eine Reise über die Weltmeere. Mathias – mein Galerist – stellte mir auf der – Transamazonas 8. Seetag – frei das Schild zu tragen oder nicht.

Bei den vorangegangenen Künstlerreisenreisen mit der AIDA entschied ich mich dagegen ein Schild an meiner Kleidung zu tragen, welches offenbart wer ich bin. Auf dieser Reise wagte ich den gefährlichen Selbstversuch.
Auf dem Schild steht natürlich mein Name und „Artist in Residenz“ und nicht „Artist in Residece“. Das macht aber nichts. Ärzte kennen den Effekt. Geraten sie auf Veranstaltungen oder ähnliche Menschenansammlungen und ihre Profession wird bekannt ist es Schluss mit lustig. Der Urologe wird, unter vorgehaltener Hand, über die leicht vergrößerte Prostata befragt. Der Orthopäde zum Bandscheibenvorfall und der Psychiater zum Erschöpfungssyndrom.

Alles gut und schön denkt man sich – aber solche Fragen schon beim Frühstück? „Wie lange arbeiten sie an einem Bild“ „Wie ist das mit den Modellen, Farben, Haltbarkeit – und überhaupt, wer kauft denn so etwas“? „Haben sie sich die Geschichte des Romans ausgedacht und wo wohnt eigentlich Edgar Wünschel der held des Romans?“

Ich bin ein geduldiger Mensch und freue mich trotzdem auf die Einsamkeit meines Ateliers. Da die nächste Reise erst im April 13 ansteht, werde ich mich bis dahin erholt haben. Ich habe dies und das in meinem Leben erfüllt. Nun auch noch meinen mir übertragenen kulturellen Bildungsauftrag. Jedenfalls freue ich mich auf morgen. Sieben Stunden Ausflug von Belem/Icoaraci aus in den Urwald. Ich werde unterwegs den einen oder anderen Gast treffen und über die Tradition der Aktmalerei in der europäischen Kunst referieren – im Urwald.

Der größte Erfolg auf der jetzigen Reise war bisher jedoch jener: Die brasilianischen Behörden, die das Schiff inspizierten, als es in ihr Hoheitsgebiet eindrang, waren von meinen Bildern begeistert und vergaßen fast was sie zu tun hatten. Die verstehen die europäische Kultur!

Eventuell sollte ich mich mal kümmern, denn die arabischen Länder – zum Beispiel – das ging gar nicht. Damals wurden meine Bilder schon vor Erreichen der Hoheitsgewässer versteckt.
Der Umzug nach Brasilien würde meine Heizkosten jedenfalls stark reduzieren. Ob ich jedoch das Inkarnat der Haut der einheimischen Frauen hinbekomme, kann ich noch nicht sagen. Lernen kann man alles! Das ist klar.

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