Ein Imbiss als Errungenschaft der Revolution

Gefährdet sind unsere Wurstbuden…wie zum Beispiel der Imbiss bei Meinigen an der Autobahn A71 – und was Abu Dhabi mit dem Untergang unserer Wurstkultur zu tun hat.

Ein Imbiss als Errungenschaft der Revolution ist ein wurstiger Zustandsbericht aus dem wiedervereinigen Deutschland.

Die geografische Lage könnte nach Meinung des Raumplaners Prof. Dr. Bernd Streich nicht besser sein. Da wo Meinigen erbaut wurde, sei der ideale Standort für eine Stadtgründung in Deutschland – behauptet der Wissenschaftler aus Kaiserslautern. Das kann durchaus sein. Noch idealer ist dieser Standort jedoch für die Wurst an sich und der Bratwurst im Besonderen. Der Imbiss bei Meinigen an der Autobahn A71 hat einfach eine verkehrsungünstige Lage.

Wie wir alle wissen – und Sie vielleicht nicht – sind die Länder Thüringen, Bayern, aber auch Franken, sowie Hessen die Wurstländer schlechthin. Ein Imbiss als Errungenschaft der Revolution gehört hir also zur Kultur.

Die Sachsen lassen wir jetzt mal an der östlichen Seite liegen. Das ist denen zwar nicht Wurst aber von hier aus einfach zu weit weg und die Wurstsache wird dann auch zu komplex.

In dem besagten Wurstländerdreieck liegt Meiningen im Epizentrum der deutschen Wurstgeschichte, die mit der Erwähnung der Thüringer Rostbratwurst 1404 in einer Propsteirechnung des Arnstädter Jungfrauenklosters ihren absoluten Höhepunkt erlebte. Denn schriftlich muss der Beweis einer frühen Wurst schon sein. Da hilft es nicht, dass schon Homer ein wenig früher in seiner Odyssee ausgiebig über die Wurst und ihrer Zubereitung über dem Feuer berichtet hat.

Klar scheint jedoch zu sein, dass die erste Würstelbude / Imbiss Deutschlands um 1135 in Regensburg entstand. Man kann davon ausgehen, dass diese Institution ein Kulturgut, wenn nicht gar Kulturdenkmal ist.

Klagen andre Klein- und Mittelstädte über Abwanderung, so hat Meinigen die Wende geschafft, denn die Stadt wächst wieder. Dies mag nicht unwesentlich am Erfolg der Thüringer Rostbratwurst liegen. Denn was fällt uns zuerst ein, wenn wir Thüringen hören? Natürlich ist die Landschaft schön und die Stadt Meinigen noch schöner und nicht kaputt modernisiert wie so manche westdeutsche, wurstlose Metropole aus denen man Wurstverkäufer gern zugunsten von amerikanischen Burgerketten verdrängt.

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Seit 1989 steht im Wald bei Meinigen ein Imbiss. Dieser ist das Ergebnis einer Revolution. Das ist schon viel für Deutschland! Aber nun ist selbst diese Errungenschaft der erblühten Wurstbudenkultur in Gefahr.

Definitorisch ist man sich in Fachkreisen noch nicht ganz sicher, ob die Revolution von 1989 eine Implosion war oder doch nur ein leichtsinniger Irrtum mit den heute allseits bekannten Folgen. Als der eiserne Vorhang noch stand, gab es wohl auch hin und wieder unter dem Ladentisch Thüringer Bartwurst, aber in der Regel waren die damaligen Bratwürste mit den übelsten Abfällen gefüllt und minderer Qualität, weil Franz-Josef Strauß und sein Kumpel Moksel der DDR das gute Schweinefleisch gegen Westmark abgaunerten. Alexander Schalck-Golodkowski verkaufte nicht nur geklaute Antiquitäten an westdeutsche Schlagerstars, sondern auch das Schweinefleisch seines Volkes an den Klassenfeind.

Da die DDR eine riesige Fischfangflotte hatte, konnte sie zusätzlich die verwöhnten westdeutschen Gören auch noch mit Fischstäbchen versorgen und so deren Geschmack gänzlich ruinieren.

Die Reste dieses Fischstäbchenfisches wurden in Form von Fischmehl den sozialistischen Hühnern verfüttern. Da diese wegen ihres speziellen Hühnerfleischgeschmacks im dekadenten Westen nicht geschätzt wurden, kam das entfederte Vieh in die Wurst. Geflügelroster genannt, gab es die fischigen Bratwürste an den Verkaufsstellen von HO und Konsum.

Und nun kommt der eigentliche Skandal. Da macht ein Teil der Deutschen schon mal so etwas Ähnliches wie eine Revolution und was passiert?

Es dauert ein paar Jahre und schon kommt die Konterrevolution. Von den zahlreichen nach dem Mauerfall entstandenen Imbiss- und Wurstbuden sind nur noch wenige Exemplare erhalten. Erneut ist ein hoffnungsvoller kultureller Aufschwung durch staatliche Willkür abgewürgt wurden. Denn der Wurstbudengründer ist der Archetypus eines Unternehmers. Er ist die eigentliche Urkraft des Kapitalismus. Er beutet sich selber aus, stellt weder Ansprüchen noch verlangt er Subventionen. Dieses Verhalten passt weder in die sozialistische Planwirtschaft, noch in den staatlich reglementierten Monopolkapitalismus.

Als die Freiheit temporär über Ostdeutschland kam, konnte man auf fast jedem Parkplatz des befreiten Landes eine traditionelles Schaschlik oder eine Bratwurst verspeisen. Ein Imbiss als Errungenschaft der Revolution war nicht nur eine Fressbude sondern viel mehr.

Tausende Arbeitsplätze schufen sich von selbst. Dann verstaatlichte die Bundesrepublik 1994 die „Gesellschaft für Nebenbetriebe der Bundesautobahnen“. Aus dieser wurde Tank & Rast. Nach mehreren Besitzerwechseln und der Einverleibung anderer Raststättenbetreiber gehört heute der Laden unter anderem Abu Dhabi Investment Authority die nichts dagegen haben Alkohol und Schweinefleisch an die Ungläubigen zu verkaufen. Die Wurstbuden wurden vom Gesetzgeber willfährig eliminiert.

Auch die Dame, die seit dem Mauerfall diesen wunderschönen am Waldessrand gelegenen Imbiss betreibt, kämpft um ihre Existenz, da die Behörden versuchen mit fadenscheinigen Begründungen ihr das Geschäft zu zerstören.

Den derzeitigen Zustand der Bundesrepublik kann man sicher an anderen „Zuständen“ erklären.

Die Wurstbude zeigt aber am besten das Dilemma auf. Man wundert sich und schaut betroffen drein. Soll das die freie Marktwirtschaft einer Demokratie gar sein? Im kleinen zeigt sich das große Dilemma unserer Demokratie und wie sie zu Grunde geht.

Denn jetzt geht es um die Wurst!

Für die Vielleser unter Ihnen noch ein älterer Text – lange vor der Bundestagswahl 2017 von mir geschrieben – Angela Merkel ist ein schlechtes Vorbild