Preisschilder im Museum Leipzig

Eine unverschämt gute Idee
Gemälde von Ferdinand Hodler Der Stier mit Preisangabe
Ferdinand Hodler | Der Stier | Öl auf Leinwand | 1878 | 38,5 x 45 cm | Museum der bildenden Künste Leipzig

Ferdinand Hodler: Gemälde von ihm in den Maßen um 35 x 45 cm werden mit 23.000 – 118.000 €  gehandelt. Eine Landschaft in der Größe von 38 x 55 cm wurde gar für 574,346 € versteigert.

Ankauf 1911 für 3.500 Mark. Umgerechneter Ankaufspreis 19.250 €

Das ist ungewöhnlich und überraschend zugleich – Preisschilder im Museum Leipzig.

Ich flanierte durch die gelungene Max-Klinger-Ausstellung im Museum der bildenden Künste zu Leipzig und entdeckte ein, oder waren es gar zwei, Räume, in denen Erwerbungen aus der Zeit um 1900 ausgestellt waren. Mich überraschten nicht nur die fußbodennah angebrachte Beschriftung, sondern auch die darauf vermerkten Ankaufspreise. Nebenbei bemerkt. Es fehlten auf der Beschilderung Technik und Größe der ausgestellten Werke.

Man kann nicht alles haben.

Die gewöhnungsbedürftigen und etwas zu groß geratenen Wandbeschriftungen neben, unter und über den Kunstwerken, erklärten allerlei zur Zeit. Wir haben einen Bildungsauftrag, mögen sich die KuratorInnen dabei gedacht haben. Mich lenkte diese plakative Typografie von der Betrachtung der Kunstwerke ab. Die einen sagen so. Die anderen sagen so. Ich finde diese aufdringliche Didaktik nicht gut. Die Ausstellung, mit ihrer Idee die Ankaufspreise auf anzugeben, aber sehr.

Gemälde des Malers Zimmermann die Fischhändlerin mit Preisschild
Ernst Karl Georg Zimmermann | Fischhändlerin | 1880

Ernst Karl Georg Zimmermann:  Viele Lose nicht verkauft. Kaum handelbar. Das ausgestellte Werk gehört zu seinen bedeutenderen und dürfte 2.000 bis 3.000 Euro bringen.

Ankauf 1905 für 9.000 Mark. Umgerechneter Ankaufspreis 49.500 €

Gemälde von Gotthard Kuehl Augustusbrücke mit Preisangabe
Gotthard Kuehl | Augustusbrücke in Dresden | 1903-04 | Öl auf Pappe

Gotthard Kuehl: 1.500 – 3.300 €. Das hier ausgestellte Gemälde ist vom Motiv her begehrt und von musealer Qualität.
Ankauf 1905 für 2.375 Mark. Umgerechneter Ankaufspreis 13.062 €

Gemälde von Karl Haider mit Preisangabe
Karl HAIDER | Mädchen aus Miesbach | 1881 | Öl auf Leinwand | 48,2 x 46 cm | Museum der Bildenden Künste Leipzig
Gemälde von Karls Haider Mühlensturzhörner mit Preisangabe
Karls Haider | Mühlensturzhörner | Museum der Bildenden Künste Leipzig

Karls Haider Porträt: Ähnliche Arbeiten werden um die 2000 € und Landschaften bis zu  5.000 € gehandelt.
Mädchen aus Miesbach Ankauf 1912 für 6.000 Mark. Umgerechneter Ankaufspreis 33.000 €.
Die Mühlensturzhörner Ankauf 1901 für 4.400 Mark. Umgerechneter Ankaufspreis 24.200 €.

Gemälde von Friedrich August von Kaulbach mit Kaufpreis
Friedrich August von Kaulbach | Lolo Ganghofer | 1895 | Öl auf Leinwand | 118,5 x 95 cm | Museum der Bildenden Künste Leipzig

Friedrich August von Kaulbach: Gemälde von ihm sind im Preisniveau zwischen 2.800,00 – 3.500 € zu haben
Ankauf 1904 für 10.000 Mark. Umgerechneter Ankaufspreis 55.000 €

Gemälde von Leopold Graf von Kalckreuth mit Preisangabe
Leopold Graf von Kalckreuth | Gattin des Künstlers | 1888

Leopold Graf von Kalckreuth: Ein verhältnismäßig enger Markt. Porträts werden um die 15.000 € gehandelt.

Ankauf 1909 für 5.500 Mark. Umgerechneter Ankaufspreis 30.250 €

Gemälde von Johann Sperl Oberbayerische Landschaft mit Preis
Johann Sperl | Oberbayerische Landschaft | um 1895 | Öl auf Leinwand | Museum der Bildenden Künste Leipzig

Johann Sperl: Seine Werke werden sehr unterschiedlich gehandelt. Das Niveau liegt zwischen. 8.500 – 22.000 €

Ankauf 1911 für 1.080 Mark. Umgerechneter Ankaufspreis 5.940 €

Gemälde von Frits Thaulow Blaue Fabrik in Flandern 1901
Frits Thaulow | Blaue Fabrik in Flandern | 1901

Frits Thaulow: 843 Versteigerungen sind verzeichnet. Die Preise bewegen sich zwischen 4.000 und 20.145 €
1913 Ankauf für 7.000 Mark. Umgerechneter Ankaufspreis 38.500 €

Gemälde von Theo van Rysselberghe Venezianerin mit Preisschild
Theo van Rysselberghe | Venezianerin | Museum der Bildenden Künste Leipzig

Theo van Rysselberghe: Dieser Künstler wird zwischen 40.000 und 852.000 € gehandelt. Viele, wahrscheinlich zu ambitionierte,  Aufrufpreise werden jedoch nicht erreicht.

1913 Ankauf für 3.465 Mark. Umgerechneter Ankaufspreis 19.057 €

Bild von Toni von Stadler mit Preisschild
Toni von Stadler | Sommerlandschaft | um 1910

Toni von Stadler: Wird zu Preisen zwischen 360 – 2000 € gehandelt.
Ankauf 1911 für 1.200 Mark. Umgerechneter Ankaufspreis 6.600 €

Gemälde Hans von Volkmann Titel Waldtal in der Eifel Preisschild
Hans von Volkmann | Waldtal in der Eifel | 1895

Hans von Volkmann: Erzielt Preise zwischen 600 und 1.500 €
1896 Ankauf für 2.500 Mark. Umgerechneter Ankaufspreis 13.750 €

Oskar Zwintscher mit Preisschild im Museum
Oskar Zwintscher | Zwischen Schmuck und Lied | ca. 1900 | Öl auf Leinwand | 175,3 x 147,5 cm | Museum der Bildenden Künste Leipzig

Oskar Zwintscher: Lediglich 14 Versteigerungen mit Preisen zwischen 50.000 und 105.000 € Kein mehrfigürliches Gemälde im Handel zu entdecken. Das Leipziger Gemälde zwischen Schmuck und Lied ist von hoher, musealer Qualität und dürfte Minimum 500.000 € auf dem Markt erzielen.
1910 Ankauf für 15.000 Mark beim Künstler.
Umgerechneter Ankaufspreis 82.500 €

Freilich ist es simpel die Einkaufspreise einfach umzurechnen, sagt der Preis eines Kunstwerkes wenig über dessen „Kunstwert“ aus.

Und trotzdem ist es interessant sich die damaligen Preise zu vergegenwärtigen. Spiegeln sie doch nicht nur den Zeitgeschmack wieder, sondern verraten uns auch, wie Kunst gehandelt wurde. Da das „Künstlersein“ in der Zeit um 1900 noch kein Massenphänomen war und das Handwerk einen bedeutenderen Stellenwert hatte, gab es kein so starkes Preisgefälle – nach unten.

Wenn man bedenkt, dass heute ein kleiner Gerhard Richter an die 500.000 € und eine Malerei in einem kleinen Format eines eher unbekannten Zeitgenossen 500 € kostet, scheint mir bei diesem Vergleich die Spanne sehr viel größer als in vergangener Zeit.

 
Nehmen wir Friedrich August von Kaulbach, dessen Werke damals sehr gefragt waren. Ankauf 1904 für 10.000 Mark. Umgerechneter Ankaufspreis 55.000 € und heute sind mit Glück für ein ähnliches Werk 3.500 € zu erzielen – das ist schon erstaunlich. Ich war von diesem Ergebnis überrascht, kenne ich seine Gemälde doch aus den unterschiedlichsten Museen. Dieses Beispiel macht deutlich, welch eine Rolle der Zeitgeschmack spielt. Nun muss das jedoch nicht so bleiben. Die Enten von Alexander Koester waren einst Ladenhüter und sind heute eine begehrte Ware. Wir kennen die Favoriten von 2120 noch nicht.
 

Der geübte Anleger rechnet allerdings anders. Der Schnitt über alle Käufe ist entscheidend.

 
Mit Ferdinand Hodler und Theo van Rysselberghe, deren Preisentwicklung, seit Ankauf exorbitant ist, wird das Portfolio gerettet. Ich habe es nicht so mit der Finanzmathematik eines Fondsmanagers und mache mir auch nicht die Mühe. Aber Verlust und Gewinn miteinander verrechnet, dürfte zumindest eine kleine Summe übrig bleiben. Ein Gewinn sind diese Bilder ohnehin, denn jedes hat seinen Reiz und das eine oder andere, insbesondere Hodlers Stier, sprach mich besonders an.
 
Auch wenn man Kunst und Kapital tunlichst auseinanderhalten sollte, war diese Ausstellung der Ankäufe des Leipziger Kunstvereins höchst aufschlussreich. Für das interessierte Publikum sind derartige – hinter die Kulissen schauende – Ausstellungen eine echte Bereicherung.
 
Man würde nicht des Plagiats bezichtigt, wenn man Ideen anderer Häuser übernimmt. Das Ausstellungskonzept des Frankfurter StädelVice Versa – böte sich an.

Alles in allem sieht die überschlägige Rechnung dann so aus:

Ankauf: 384.009,00 €
Zeitwert: 1.330.145,00 €

Also auch von monetären her gesehen ein Gewinn für das Museum, die Stadt und seine Bürger. Finanziert durch die Bürger über den Kunstverein.

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