New York – Kunstwelthauptstadt die was vorzuweisen hat

Man weiß – wenn die New Yorker Börse zittert, wackelt die Finanzwelt. Die Museen haben, was die Kunst nach 1945 anbetrifft, die imposantesten Werke weltweit. Die Versteigerungshäuser wie Sotheby’s die höchsten Preise weltweit und so mancher Künstler der hier einen guten Auftritt hinlegte dem lag danach die Welt zu Füßen – weltweit.

Aber Unzählige scheiterten auch. Fahren oder fuhren Taxi, schlagen oder schlugen sich als Kellner durch. Vor allem aber erfindet sich diese Stadt immer wieder neu.

War die Kunstszene lange in SoHo zuhause, wechselte sie in den letzten Jahren nach Chelsea. Erst siedelt sich eine Galerie an, dann die Nächste. Und wenn einer der ganz Großen in einem neuen Quartier sein Zelt aufschlägt, sind in Kürze fast alle da. Das ist auch gut so, weil für den Kunstinteressierten praktisch. Zwischen der 19th St. und der 28th St, auf der West Side sind sie zu finden. Weit über hundert Galerien haben da ihren Standort. Um wirklich alles zu sehen, benötigt man sicher zwei Tage. Das bedeutet Arbeit!

Die Bebauung an der Waterfront von Chelsea ist ideal. In ehemaligen Lagerhäusern, Garagen und Werkstätten entstanden Galerien, die nicht selten die Größe wie ein kleines Museum haben.

Ein weiterer Grund diesen Stadtteil unbedingt zu besuchen ist der High Line Park. Eine stillgelegte Hochbahntrasse, die mitten durch Chelsea führte, wurde zu einem Hochgarten umgestaltet. Die Attraktivität dieses erblühten Stadtteils hat natürlich auch einen großen Nachteil. Die Mieten steigen, Menschen die die Szene ausmachten müssen weiterziehen. Es sieht so aus, als würde Brooklyn ihr nächstes Ziel. Die Spezies des Künstlers als Stadtsanierer ist unterschätzt!

Hier der große Plan für ihr Vorhaben: Chelseagallerymap

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"LICHTSPIELE" der neue Bildband von Horst Kistner - hier blättern

Horst Kistner Unbekannte Gattung
Horst Kistner Tischgebet
Horst Kistner Closedown

Als ich in eine der ersten Galerien trat. Ich weiß nicht ob es die Erste oder die Fünfundzwanzigste war, wähnte ich mich im grünen Gewölbe zu Dresden.

Freilich trägt der Kirschkern von 1589 – in der fürstlichen Sammlung bewahrt – 185 in ihn geschnitzte Köpfe. Das ist nicht nachvollziehbar und einzigartig. Aber die winzige Muschel mit dem aufgemalten Auge in ihrem Inneren faszinierte mich fast ebenso. Zumal als Handwerker der selbst einen Pinsel zu führen gelernt hat. Um die Wimpern auf den Perlmuttglanz zu bringen, darf der Pinsel nur einige ganz zarte Härchen besitzen und der Maler, die Malerin, eine sehr ruhige Hand.

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„One of those days“ nannte sich eine – im Jahr 2000 – vom Kunstverein Mannheim inszenierte Gruppenausstellung an der auch ich neben Martin Liebscher teilnahm. Damals beschäftigte sich Liebscher mit phantastischer Fotografie. Seltsame Flugobjekte in realistischer Umgebung und so was.

Dionisio González war mir mit seiner Fotografie nicht neu aber erinnerte mich in New York des Jahres 2014 an eine Ausstellung des Jahres 2000 in Mannheim. Wo doch der gewöhnliche Amerikaner lediglich Heidelberg kennt.

Auch diese Ausstellung war eine die einen an andere, unbestimmte Orte verführte. Und dies faszinierte mich an Chelsea so. Die unterschiedlichen Eindrücke und Verführungen. Ja – wenn man lange sucht – findet man abgelegene ruhige Orte und kann an Mannheim denken.

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Weiter mit Fotografie.

Carla van de Puttelaar scheint eine international anerkannte Fotografin zu sein. Dies – so scheint mir – zu Recht. Die Niederländerin steht ganz in der Tradition der klassischen niederländischen Malerei. Sie beherrscht das Hell-Dunkel, oder auch Clair-obscur genannt, grandios und ihre Bilder strahlen eine fast unerträgliche Ruhe – ja Melancholie – aus. Eine Art lebendige Todessehnsucht geht von den hellhäutigen Modellen aus und fährt ganz tief in den Betrachter. Rührt ihn an.

Die Haut so sensibel beleuchtet, dass sie der Marmoroberfläche der Skulpturen eines Antonio Canova gleicht.

Automatisch steht man still vor diesen Werken und vergisst zum wiederholten Mal die Welt um sich. Solch eine Ergriffenheit zu erzeugen – das vermag nur gute Kunst.

Um so mehr frage ich mich – als einer der doch einiges aus der Kunstwelt mitbekommt – wieso kannte ich, der als Maler doch im selbigen Metier unterwegs ist, diese Kollegin nicht. Keine Galerie hierzulande vertritt diese Künstlerin. Lediglich das ART-Magazin lässt sich herab einige Akte von ihr auf einer Onlineseite zu zeigen, die eher für das oberflächliche Publikum gedacht ist. Vorsichtig ausgedrückt.

Könnte es sein, dass die deutschen Kuratoren lediglich dem „großen“ Mainstream hinterherlaufen, denn mit einiger Sicherheit haben Heerscharen dieser Gattung auch die Räume der DANZIGER GALLERY besucht und diese Ausstellung gesehen. Oder ist es doch die in Deutschland sehr ausgeprägte Körperfeindlichkeit, denn die jungen Damen sind ja nackt und die Selbstzensur der Ausstellungsmacher scheinbar so groß wie selten zuvor?

Die Nacktheit in der Kunst spiegelt nicht nur die Geschichte des Menschen wieder, sie ist eine Selbstvergewisserung und ein Appell an das Humane, das Verletzliche und Beschützenswerte. Die Geschichte der Kunst ist, ohne den Akt nicht zu denken und der Leibesfeind oft menschenverachtend, gar Kriegsanstifter.

Natürlich widmet sich Carla van de Puttelaar nicht nur dem Akt. Ihre Blumenstillleben und Porträts sind von einer ebenso fragilen Zerbrechlichkeit und blühen in schönster holländischer Tradition.

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Der Trend geht eindeutig zur Zweitgalerie.

Auch David Zwirner hat in Chelsea eine. Eine Straße weiter habe ich sie erreicht – wenn ich mich recht erinnere. In dieser zeigt Zwirner unter anderem Franz West. Die farbig gefassten Plastiken gefielen mir sehr gut. Formal abwechslungsreich in einer Gruppe präsentiert – sehr schön. Auch hier sehe ich wieder Bezugspunkte. Zu den farbigen Plastiken von Marcus Lüpertz zum Beispiel.

Mit den kalkig, weißen Köpfen hat West vermutlich einen Ausflug auf die Osterinseln unternommen. Eine schön gebaute Ausstellung.

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Hiermit tritt schon eine leichte Ermüdung ein und ich schaue bei mancher Galerie lediglich durch die Fenster.

Allein aus konservatorischen Gründen bedenklich, ansonsten eine gute Idee und sehr wuschelig.

Das Diktum der modernen Kunsttheorie Kunst habe neu, am Ende gar innovativ zu sein, bringt vielerlei zwar Kurzweiliges aber auch schnell vergängliches hervor. Diese farbigen Fusselstoffwandteller werden schnell verdreckt sein. Sollten sie nicht waschmaschinenfest sein, sind sie in einigen Jahren unansehnlich und die Frau des Hauses lässt sie entsorgen. Aber das passt ja in unsere schnelllebige Zeit und Wegwerfkultur.

In einigen Museen hat es sich wieder durchgesetzt, die Wände farbig zu gestalten.

Oft auch nach dem historischen Vorbild. Vor einigen Jahren war die sogenannte White Box noch das Nonplusultra, wenn es um Ausstellungen ging. Anderes auch nur zu denken unmöglich

Um Aufmerksamkeit für eher unscheinbare Zeichnungen zu erlangen, machten sich die Wände in Pink sehr gut. Mich haben diese auch magisch angezogen. Die Zeichnungen an sich traten, bei näherer Betrachtung, jedoch in den Hintergrund.

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Wem das Tafelbild zu gewöhnlich und vor allem zu flach ist, der wird natürlich auch fündig.

Mir persönlich erschien die aus dem Bildträger ragende Wulst nicht sehr ästhetisch. Ich hatte das Gefühl dieses Ding könne jederzeit aufplatzen und es ergösse sich eine schleimige Flüssigkeit auf den Boden der Galerie. Um den Reigen der aufmerksamkeitsheischenden Präsentationsideen abzuschließen hier noch die – ich nenne sie mal – Staffelhängung. Rein raumökonomisch vernünftig, denn man bekommt viel mehr bemalte Fläche in einen Raum als bei einer gewöhnlichen Hängung an der Wand. Ob die bemalten Papierfahnen attraktiv zu nennen waren, sei dahingestellt.

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Geglückt schien mir hingegen diese Blockhängung im Zusammenhang mit den Plastiken. Die Besucher verweilten auch ein wenig länger davor, da die Art der Präsentation zum „Bilderlesen“ ermunterte. Obwohl die Bilder eng aneinanderhingen, machte sie sich nicht gegenseitig „tod“

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Nach dem Schwall optischer Eindrücke wäre eigentlich eine Erholung für das Auge angesagt gewesen. Aber ich glaube dieser Gedanke ist eine Illusion in New York.

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Auch die weiteren Muschelkunstwerke waren von außergewöhnlichem Reiz.

Auf ihre naturgegebenen Formen wurde in genialer Art und Weise eingegangen. Die Assoziation der großen Muschelhälften mit einem Schädel war beeindruckend, weil einfach nachzuvollziehen und doch selber nie so erkannt und dazu auch noch perfekt ausgeführt. Erstaunlich wie schnell man bei der Betrachtung solch feiner Arbeiten in eine andere Welt entführt wird und regelrecht erschrickt, wenn man die Galerie verlässt und mitten in New York steht.

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Wenn man Kunst betrachtet und dabei beobachtet wird, ist dies immer eine eigenartige Situation.

Im Nachhinein macht man sich Gedanken nicht nur über das Gesehene, sondern auch über die Beobachterin und den Beobachter. Die gut laufenden Galerien beschäftigen bestimmt bis zu 10 Aufsichtskräfte und ebenso viele Mitarbeiter. Also schätzungsweise in den Galerien allein in Chelsea weit über 1000 Personen. Wie lebt die Wächterin der Kunst? Sie beaufsichtigen nicht selten Objekte im Millionenwert.

Nicht alles davon ist jedoch für jeden erstrebenswert.

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Die Größe einiger Galerien ist schon gespenstig zu nennen.

In Mitteleuropa haben gewöhnliche Museen selten mehr Raum zur Verfügung. Selbst in der Leipziger Spinnerei, einem riesigen Industriekomplex, welcher nach dem Zusammenbruch der DDR leer stand, sind solch gigantische Räume selten zu Galerien geworden wie die von Zwirner und Gagosian.

Die leer stehenden Lagerhäuser sind ideal für den derzeit herrschenden Gigantismus in der Kunst. Und man leistet sich leere Fläche, weiß man doch, dass dies nicht nur beeindruckt, sondern auch so manchem mittelmäßigen Kunstwerk zu unverdienter Größe verhilft und verholfen hat. Verschiedene deutsche Museen haben zwischenzeitlich – von respektlosen Menschen als Heldensäle bezeichnete – Räume eingerichtet, in denen sich großformatige Leihgaben ansprechend zu Werbezwecken präsentieren lassen. Die Arbeiten bekommen nebenbei eine ansprechende Provenienz, bevor sie versteigert werden. Hiermit begeben wir uns auf vermintes Gebiet. Die Süddeutsche Zeitung schreibt gar – „Das System ist krank“.

Also betreten wir die nächste Galerie.

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Da es für mich aussichtslos war alle Galerien zu besuchen, denn ich musste am Abend wieder auf das Schiff, um weiter nach Miami zu fahren, flanierte ich ein wenig und betrachtete die Kunstsituation von außen.

Da ich kein unbedingter Liebhaber Chinesischer Kunst bin, ging ich auch an einer Galerie vorbei die mit solcher Ware handelte. Ob der Galerist Preise frisch kalkulierte und in eine Liste schrieb weiß ich nicht. Die Skulptur im Fenster wohl auch nicht.

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Einigen von Ihnen – verehrte Leser – ist bekannt, dass ich mich derzeit mit Schmetterlingen und anderen Insekten beschäftige. Natürlich war mir klar, dass ich nicht der einzige Künstler auf der weiten Welt sein kann der dies tut.

Maria Sibylla Merian tat dies um 1700. Andy Warhol tat dies, als ich ein Jahr alt war. Damien Hirst übertrieb es fast. Ich tue es und in den Galerien, die ich nicht alle besuchen konnte, sah ich zwei Kollegen, die sich an dem zart geflügelten Tier versuchten. Bald sind sie ausgestorben sagt man. Es wird Zeit dagegen anzumalen.

Die Makroaufnahme des Schmetterlings war erstaunlich fesselnd. Über die Drucktechnik denke ich noch bis heute nach und hoffe sie bald genauso zu beherrschen. Werde natürlich bei Pinsel und Stift bleiben, was die Druckvorlage anbetrifft. Da bin ich stockkonservativ!

Ich stolpere, während ich über die Butterflys nachdenke in die nächste Galerie – eine kleinere – und möchte meinen Augen keinen Glauben schenken. Worpsweder Künstler hierzulande?

Äußerst seltsam diese Ruhe und das gebrochene Kolorit in den kleinen Bildern. Ländliche Ruhe neben einer Autowaschstraße. Ich muss ehrlich sein. Erstens kenne ich den nicht und zweitens finde ich nur einen Regisseur dieses Namens. Auf Google kommt mir immer wieder Duchamp in dem Zusammenhang mit Calvin Tomkinsin den Weg. Das bringe ich nicht zusammen.

Die Bilder waren Gut und das ist auch gut so. SO! Also zeige ich noch einige.

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George Condo ist ein bei uns nicht übermäßig bekannter Künstler.

Ich habe ihn 2012 in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt gesehen. Damals wurden vorwiegend ironisch-provokante Arbeiten aus früheren Jahren gezeigt. Eine leicht „Picassoeske“ Haltung war schon damals zu erkennen. In der Skarstedt Gallery ist der Einfluss des Spaniers aber lautstark und unverkennbar.

Ich hörte schon die Mäkler des Kunstbetriebs vom Plagiat schwadronieren und wiederum übersehen, dass es da neben Picasso auch einen Herrn Braque gab, der mit ihm den Kubismus erfand und der um keinen Deut schwächer war als Pablo. Ich persönlich fand die Malerei von George Condo überzeugend und warum – wenn auch zeitlich versetzt – sollen Stile nicht eine weitere Daseinsberechtigung haben?

Zu Rubens oder Rembrandts Zeiten war es ganz normal, dass die stilistischen Mittel der Großmeister Verbreitung fanden. Mir ist es allemal lieber mich erinnert ein gutes Bild an einen alten Meister, als ich meine Augen durch schlecht gemachte Novitäten beleidigen lasse. Der Begriff NEU wird all zu oft mit dem Begriff Qualität verwechselt.

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Auf irgendeiner Kunstmesse habe ich sie schon gesehen, diese Stillleben.

Wenn man selber zur Detailversessenheit neigt ist es kein Wunder, dass diese Bilder fesseln. Die farbliche Ausgewogenheit und die gebrochenen Töne machen die Malerei von Robert C. Jackson zu einer Delikatesse. Ich mag auch den hintergründigen Humor und die kleinen Details die die Bilder so liebenswert machen, ohne sie ins neckische zu verkehren. Das Amerikanische ist den Bildern natürlich anzusehen aber es wirkt nicht aufdringlich. Mir als früheren Schriftmaler gefallen natürlich die typografischen Elemente, die neben den formalen auch inhaltlich bereichernd wirken. Zu guter Letzt sei gesagt – die Bilder sind sehr gut und mit einem hohen handwerklichen Können gemalt. Robert C. Jackson nennt sich einen „Contemporary Realist“. Sehr treffend nach den bis heute anhaltenden Flügelkämpfen der verschiedenen Stilrichtungen in den Künsten des liberalen Zeitalters. Man arbeitet so oder so. Letztendlich kommt es lediglich auf die Qualität an und ob die Bilder nach einhundert oder zweihundert Jahren noch Bestand haben. Alles andere ist pure Behauptung.

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Gerhard Richter hat behauptet, es sei ganz einfach so zu malen wie er.

Das stimmt auch. Ich könnte es ihnen in wenigen Zeilen schildern, möchte sie aber vor der Versuchung es ihm nachzutun schützen. Denn selbst im Ansatz nach Richter aussehende Bilder sind peinlich oder wie in der Fachwelt bezeichnet – Gerhard Richter für Arme. Der Herr vor dem Bild im Stile Richters scheint in Versuchung zu sein obwohl nicht arm aussehend.

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Big Appel, Big Business, Big Art Business – World Art Business.
Ein chinesischer Großmeister hat seinen Tempel mitgebracht.

Big Business – dafür steht die Galerie Gagosian mit drei Galerien in New York. Jeweils einer in Beverly Hills, London, Rom. Dazu Paris mit zwei Standorten, Athen und Genf. Büros in Hongkong und La Jolla – wo auch immer dies sei.
Die Geschichte des Herrn Gagosian ist eine amerikanische. Zuerst betrieb er in Santa Monica einen Poster-Shop. Also im übertragenen Sinn vom Tellerwäscher fing er beim kostengünstigen Kunstdruck an…

Natürlich ist das Imperium des Kunsthändlers umstritten. Da es aber in Amerika keine, oder so gut wie keine, „öffentlich-rechtlichen“ Museen gibt ist das System ein gänzlich anderes – ein in sich Verwobenes. In der Kunstszene von New York sind geopolitische und weltwirtschaftliche Gegebenheiten 1 zu 1 abzulesen. Die emporstrebende Wirtschaftsmacht China präsentiert sich künstlerisch nicht gerade zurückhaltend – um das vorsichtig auszudrücken.

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Überhaupt geht ja der Trend zum Großkunstwerk.

Und wo würde er besser passen als hier. Natürlich sollte man nicht übersehen, dass eine bemalte kleine, unscheinbare Muschel eine ebenso hohe oder höhere Qualität haben kann wie raumfüllende Installationen.

Nach dem Größenwahn, man soll es nicht glauben, geht man vor auf die 10th Ave.

Biegt um die Ecke an ein paar trendigen Läden vorbei in die 24th, 25th. oder 26te. – ich weiß es nicht mehr – und fällt gleich in die nächste Galerie. Eher ein wenig improvisiert. So Familiäre halt. Treppe hoch und da steht die Plastik dieses Mädchens. So kann ich mir die Sehnsucht eines Großstadtkindes vorstellen. Draußen fährt die Ambulance vorbei.

Den Wurststand vor der Galerie aus der ich kam missachtete ich erstmal und betrat die nächste Galerie. Und ich kann ihnen sagen es gibt keine Klischees über New York. Es stimmt, die Stadt ist ein einziges Kontrastprogramm.

Die Idylle dahin! Comicart oder? Ich meine, es ist schnell gemalt. Wenn es denn jemand kauft. Aber sicher – denke ich – kauft das jemand. Irgendwann verkauft sich alles an irgendjemanden. Ich meine das knallt schon ganz schön im Büro über dem Schreibtisch. Irgendwie muss man sich ja von der Allgemeinheit absetzen.

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Ich erwähnte den Wurststand. Ich gestehe es, ich interessiere mich brennend für Wurststände. Überall.

Egal ob im Vogtland oder in New York. Ich habe an diesem jedoch keine Hot Dog verspeist sondern mir solch einen Hühnerfleischspieß mit dem Bügeleisen grillen lassen. War sehr zart und die Sauce so, wie solche Saucen zu sein pflegen. Nur mit diesen süßlich, wattigen Teiglingen kann ich mich wohl niemals anfreunden.

Wenn sie Weiteres über die internationale Wurstkultur lesen möchten, bitte ich sie mir zur entsprechenden Rubrik zu folgen.

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Und was passiert, als ich in eine der gigantischen Galerien eintrete und mir die Chilisoße mit einem Kleenex aus den Mundwinkeln wische. Ich stehe vor Neo Rauch.

Also vor seinen Bildern. Ich wusste zwar, dass er gelegentlich bei Zwirner ausstellt – aber heute?

Das war dann doch eine Überraschung und das auch deshalb, weil nicht jede seiner Ausstellungen und Bilder die gleiche Qualität hat. Die Ausstellung hier fand ich aber o.k. Im Ring der Großkünstler schlägt sich unser Junge ganz gut.

Freilich überaschen seine Bilder nicht so wie vor einigen Jahren. Auch das Personal welches die ausgeklügelten Kompositionen bevölkert kennt man zwischenzeitlich. Es ist so ähnlich, wie bei Träumen die man immer wieder träumt. Man denkt dann, wenn so ein Traum anfängt, – also jetzt kommt das. Auch nicht schlecht, aber warum immer wieder? Frau aus Fisch gezogen, Mann kämpft mit Oktopus. Graben ausgraben, Tonne hochheben. Bart im Gesicht. Neo Rauch.

So ist das mit der Kunst. Sie ist manchmal neu und dann doch nicht. Bei mir auch und bei jenem.

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Als gäbe es Regieanweisungen oder Absprachen unter den Galerien, kam doch nach den opulenten Tableaus des Neo Rauch in der nächsten Galerie ein Kontrastprogramm dazu. Ich glaube man nennt es Minimalismus.

Also – man lässt fast alles weg und hängt es dann hin. Inszeniert mit den monochromen Bildern ausgeklügelt einen möglichst großen Raum und kann so imponieren.

Ich weiß schon was gemeint ist, jedoch springt mich so was nicht an. Das kann an der Sozialisation liegen oder weil ich katholisch aufgewachsen bin. Eventuell ist solche Kunst ja für Puritaner gedacht. Viele von denen emigrierten im 17. Jahrhundert von England aus hier rüber. Da die Puritaner strikt der Lehre der Calvinisten nachgingen – also Bilderverbot und so was – kann ich mir vorstellen, dass die stilistische Richtung des Minimalismus von denen kommt. Das ist allerdings auch ressourcenschonend, da lediglich Weiß und Schwarz benötigt wird. Also kein umweltschädigendes Kadmiumrot.

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Kunst begegnete mir bei diesem Galerienrundgang in den verschiedensten Erscheinungsformen.

Wir kennen ja die Zinnsoldaten oder auch die Grippenfiguren in der Weihnachtszeit. Wieso nicht Volkskunst in die „Hochkunst“ übertragen? Man muss auch nicht immer schwierige Wege gehen – schnitzen oder in Blei gießen. Man baut kleine Stellagen aus Pappe und schneidet eine Figur nach der Größe der aufzuklebenden Reproduktion aus. Holt sich die Bedeutung aus der ewigen Kunstgeschichte. Vergisst nicht, dass Masse Eindruck macht und schon ist eine Installation fertig die das Publikum zu fesseln vermag. Ich habe es auch gern angeschaut. Kunst ist die schönste Lüge überhaupt und Kulisse dazu.

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So wie sich New York immer wandelt, ist auch Chelsea keineswegs fertig im gewöhnlichen Sinn. Es gibt heruntergekommene Ecken und schon ein paar Meter weiter sieht es ganz anders aus.

Geht man ein paar Meter weiter, ist unvermittelt eine Backsteinfassade schwarz gestrichen.

Allein deswegen und weil man sich fragt, wo der deutsche Denkmalschutz bleibt, sieht man sich den Laden genauer an. Vivienne Westwood ist übrigens keine Designerin von KiK. Die englische Modedesignerin passt aber sehr gut in das Viertel und ihre Preise waren zu meiner Überraschung durchaus verträglich. Umgerechnet für eine ausgefallene Handtasche so um die 250 €.

Wenn ich jetzt noch über die zwei großen und hervorragend kuratierten Picassoausstellungen berichten würde und all die anderen Dinge, die ich sah, würde dies jeden Rahmen sprengen.

Der bleibende Eindruck ist aber der einer in ständiger Bewegung seienden Szene und dieses erfrischende Nebeneinander von Autowaschanlage und Kunst im Millionenwert. Dies macht diesen Stadtteil lebendig wie besuchenswert abseits der ausgetretenen Touristpfade.

…zumal sie, so sie vor Erschöpfung nicht mehr weiterkommen durchaus gut speisen können. Vom „fleischlosen“ Restaurant bis zum hochwertigen Steakhaus finden sie alles.

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Erschöpft aber auch voller neuer Eindrücke trat ich den Weg zum Schiff an. Auf der 10Th Ave lief ich landeinwärts bis zur W 48th St. Dann runter an den Hudson. An Pier 87 hatte die Aidavita festgemacht. Wir legten ab und strebten der Wärme zu. New York – die Welthauptstadt der Kunst war wieder ein besonderes Erlebnis.

Nach alldem