die blutigen Hände in Somy Samanis Fotografie „Confidential“
Iranische Revolution 2026 – Politische Kunst
Die Fotografie „Confidential“ von Somy Samani kann als ein künstlerisches Zeugnis der iranischen Revolution im Januar 2026 verstanden werden, obwohl diese Arbeit schon 2023 entstand.
Iranische Revolution – DIE BLUTIGEN HÄNDE
Still, kontrolliert und bewusst zurückgenommen zeigt sie eine sitzende Frau, deren Gesicht teilweise verschleiert ist. Nichts an dieser Fotografie ist laut – und doch verdichtet sich in ihr eine politische Erfahrung, die für viele Revolutionen gilt, für die iranische jedoch in besonderer Weise.
Der Blick des Betrachters wird unweigerlich auf die Hände gelenkt: rot gefärbt, offen sichtbar, nicht versteckt. Es sind blutige Hände, die hier nicht als Schockmoment, sondern als reflektiertes Symbol erscheinen. Genau darin liegt die besondere Stärke dieser Arbeit.
„Confidential“ 2023 entstanden, kann als Bild der iranischen Revolution 2026 gelten.
Die iranische Revolution 2026 unterscheidet sich von früheren Protestbewegungen durch ihre existenzielle Zuspitzung. Sie ist kein symbolischer Aufstand mehr, sondern ein offener Kampf um politische und körperliche Selbstbestimmung. Somy Samani hat wie so viele Künstler eine Ahnung von dem, was kommen wird und reagiert mit einer bewusst inszenierten Bildform, die Distanz schafft – und gerade dadurch Tiefe gewinnt.
Die Figur in „Confidential“ steht nicht für eine konkrete Person. Sie ist anonym, stellvertretend, beinahe zeitlos. Diese Anonymität verweist auf die kollektive Erfahrung einer Revolution, auf die vielen Namenlosen, deren Handeln sichtbar wird, während ihre Identität verborgen bleiben muss.
Iranische Revolution – DIE BLUTIGEN HÄNDE – Verantwortung statt Heroisierung
Im Zentrum der Fotografie stehen die blutigen Hände. Somy Samani versteht sie nicht als Anklage und nicht als moralische Überhöhung. Sie sind vielmehr Ausdruck einer bitteren Realität:
Denn wirkliche Revolutionen verlaufen nicht unblutig. Wer sich gegen ein repressives System erhebt, muss bereit sein, Verantwortung zu übernehmen – auch dort, wo Gewalt unausweichlich wird, um nicht selbst zum Opfer zu werden und andere zu schützen.
Die Fotografie „Confidential“ verweigert das Bild der sauberen, makellosen Befreiung. Die Illusion einer friedlichen Revolution, die letztendlich wie 1989 in Deutschland lediglich einen ökonomischen Charakter hatte und „Werte“ nicht thematisiert. Alte Eliten übernimmt und zu den nächsten gesellschaftlichen Problemen führt.
So exportierte Deutschland noch im Jahr 2025 für 500 Millionen Euro Güter, Maschinen und Ausrüstungen, in den Iran, die es dem Regime ermöglichten, seine Macht zu erhalten und indirekt den russischen Krieg in der Ukraine zu unterstützen.
Die roten Hände sind ruhig, nicht aggressiv. Sie zeigen keinen Akt der Gewalt, sondern deren Konsequenz. Damit verschiebt Samani den Blick von der Tat zur Verantwortung – ein zentraler Gedanke innerhalb der iranischen politischen Kunst.
Zensur, Metapher und die Sprache iranischer politischer Kunst
Die Bildsprache von „Confidential“ ist ohne den Kontext staatlicher Zensur nicht zu verstehen. Unter dem derzeitigen Regime entwickelten iranische Künstler über Jahrzehnte eine hochkomplexe visuelle Metaphorik, um politische Kritik zu tarnen. Offene Aussagen waren – und sind – oft unmöglich.
Erwähnt sei hier der Film Taxi Teheran oder das Buch von Satrapi Persepolis
Während in der Diaspora oder in revolutionären Momenten wie 2022 explizite Symbole genutzt werden – etwa abgeschnittenes Haar oder die Farben der Flagge –, arbeiten viele Künstler weiterhin mit Zeichen, die für Außenstehende harmlos wirken. Alltagsgegenstände, Körperhaltungen oder Naturmotive werden zu Trägern politischer Bedeutung.
Somy Samani bewegt sich bewusst in dieser Tradition. Die Fotografie „Confidential“ ist kein offenes Protestbild. Ihre politische Aussage liegt in der Reduktion, im Weglassen, im kontrollierten Einsatz eines einzigen, unübersehbaren Symbols: der blutigen Hände.
Somy Samani im Kontext iranischer Opposition in Kunst, Film und Literatur
Die iranische Opposition hat seit Jahrzehnten ihre stärksten Stimmen im kulturellen Raum entwickelt. Film und Literatur arbeiteten mit Andeutung, Auslassung und Symbolik, um Zensur zu umgehen. Auch die bildende Kunst wurde zu einem Ort des indirekten Widerstands.
Im Vergleich zu erzählerischen Medien konzentriert sich Somy Samani auf den einzelnen, verdichteten Moment. Ihre Fotografie erzählt keine Geschichte im klassischen Sinn – sie hält einen Zustand fest. Gerade dadurch wird „Confidential“ anschlussfähig an unterschiedliche Diskurse innerhalb der iranischen Opposition: an feministische Kämpfe, an Fragen von Verantwortung, an die Ambivalenz revolutionärer Gewalt.
Iranische Revolution – DIE BLUTIGEN HÄNDE – Ein Bild seiner Zeit
„Confidential“ ist ein Bild über Revolution an sich. Es verzichtet auf Parolen, auf Pathos und auf eindeutige Schuldzuweisungen. Stattdessen zeigt es den Menschen im Moment der Entscheidung.
In einer Zeit, in der politische Bilder oft schnell konsumiert und ebenso schnell vergessen werden, behauptet sich diese Fotografie durch ihre Ruhe. Sie zwingt zur Auseinandersetzung. Und genau darin liegt ihre politische Kraft.
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