Cranach auf der Augustusburg leider eher unbekannt


Viel gibt es über das Schloss und Augustusburg – das Städtchen – zu berichten, aber ohne Zweifel beeindruckten mich die Bildwerke von Lukas Cranach dem Jüngeren am stärksten. Ab Herbst sollen das frisch restaurierte Altarbild und die bemalte Kanzel für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Ein opulentes Werk! Der Cranach auf der Augustusburg.



450 Jahre überstand das Bild trotz klimatischer Belastungen und restauratorischen Fehlentscheidungen.

Heute erscheint es in (fast) altem Glanz. Da zu Cranachs Zeiten die EU Bleiweiß noch nicht verboten hatte, gibt es natürlich einige weiße Partien, die dunkel bis Bläulich verfärbt sind, da Bleiweiß wegen der Bildung von Bleisulfid nachdunkelt.

Ich nehme an, dass die EU-Kommissare den Grund der Giftigkeit der Pigmente zum Anlass des Verbotes nahmen und nicht vom Bestreben beseelt waren zukünftige Kunstwerke zu schützen.



Im Zusammenspiel mit der bemalten Kanzel und dem weiß getünchten, sachlichen Innenraum der Schlosskapelle auf dem Jagdschloss Augustusburg sind die Arbeiten echte Eyecatcher und laden zum Verweilen ein. Dieser Cranach ist übrigens auch einer der wenigen, die in originalen Rahmen erhalten sind.



Das entschieden mehr Besucher wegen des Motorradmuseums auf das Jagdschloss kommen ist für die Gastronomie gut. Es bleibt aber zu hoffen, dass dieses Bild einige Anziehungskraft entwickelt und von den Marketingleuten des örtlichen Tourismus angemessen gewürdigt wird.

Denn wo kann man schon so viele Cranachs finden wie in Sachsen. In der Pfalz gibt es eine Weinstraße die Liebhaber des vergorenen Traubensaftes anzieht. Also könnte in Sachsen eine „Cranachstraße“ zu den Bildern des Älteren und des Jüngeren führen. Von Augustusburg über Dresden nach Leipzig-Halle bis nach Wittenberg dem Geburts- und Arbeitsort der Cranach-Dynastie. Übrigens hat auch Chemnitz – ganz in der Nähe – hervorragende Museen. Das Neuste ist das Museum Gunzenhauser mit einer Sammlung von 278 Arbeiten des in Gera geborenen Otto Dix und vielem mehr.



Ich habe mit der Erforschung des Schlosses Augustusburg angefangen. War zwar mit einem Ausstellungsaufbau in der Turmgalerie des örtlichen Kunstvereins beschäftigt konnte aber trotzdem vieles kennenlernen. Eine Kneipe zum Beispiel.

Der Landsknecht befindet sich in der kleinen – von den Besuchern leider vernachlässigten – Altstadt und ist sehr zu empfehlen. Gute, ehrliche und handgemachte regionale Küche. Natürlich mit Knödeln, denn Böhmen ist nicht weit und vom Schlossturm mit bloßem Auge zu sehen.



Landschaftlich reizvoll am Rande des Erzgebirges gelegen erreicht man auch schnell die Höhe über dem Tal in dem Zschopau und Flöha ihr Flussbett gefunden haben. Ein grandioser Blick wenige Hundert Schritte von Hotel Friedrich, in dem man nicht nur ruhig und gut schläft, sondern auch die Tradition von hundert Jahren spürt, denn so lange wird dieses Haus als Familienbetrieb geführt. Auch hier die Küche regional und gut.



Das Hotel Cafe Friedrich hat ein Alleinstellungsmerkmal besonderer Güte, es ist auch eine hervorragende Konditorei, in der man die Spezialitäten Baumkuchen, sächsische Eierschecke und Spritzkuchen unbedingt probieren sollte. Die Auswahl an Torten ist geradezu maßlos und verführerisch.

Lange Spaziergänge können das schlechte Gewissen nach der Völlerei gänzlich auslöschen oder man trägt Bilder in die Turmgalerie einige Hundert Stufen hinauf. Das Zimmer 13 „Augustusburg“ ist groß mit Blick auf das Jagdschloss einem kleinen Balkon und sehr gut geeignet als Basisstation für diverse Ausflüge.