Farbschichten gewinnen Oberhand – Arbeiten der neunziger Jahre

Thomas Gatzemeier – Malerei der neunziger Jahre im Kunstwerk Nippes | Galerie Koppelmann | Köln
Dick aufgetragen – gut abgehangen

Galerie Koppelmann Blick zur Stirnwand

Es war absehbar. Irgendwann würden die Farbschichten Oberhand über die Figur bekommen.

Immer noch war jedoch eine Figur oder auch eine organische Form als Vorzeichnung notwendig, um mit der Malerei beginnen zu können. Die Vorzeichnung war und ist so etwas wie ein Thema – der Grundton der folgenden Farbsinfonie. Ein Gerüst an dem man sich festhalten kann um sich ganz auf die Farbe zu konzentrieren.

Thomas Gatzemeier - Malerei der neunziger Jahre im Kunstwerk Nippes | Galerie Koppelmann dick aufgetragen – gut abgehangen

In den 90er Jahren war die Atelierarbeit sehr intensiv. Es standen immer mehrere angefangene Gemälde an den Wänden.

Ich beobachtete die unfertigen Stücke argwöhnisch. Hatten diese Artefakte schon den Punkt erreicht, an dem sie als fertig bezeichnet werden können? Wann war die Zeit reif, an dem man sie in Ruhe lassen musste, weil ihr eigenes Bildleben begann? Oder mussten sie nochmals auf die Staffelei um in das Gefüge einzugreifen?

Das waren die Fragen und die Farbschichten wuchsen, bildeten Knäule und irrlichternde Tiefen.

Halb Relief kommen die Bilder dem Betrachter entgegen und bieten ihre haptisch erfahrbare Seite dar. Man ist versucht, diese Bilder zu berühren um zu merken, dass es keine optischen Täuschungen sind. Farbe als Element.

Diese pastosen Farbschichten sind wandelbar wie wenig Anderes im Bereich der Malerei.

Je nach dem Winkel des Lichteinfalls, der Tages- und Jahreszeiten mit ihren verschiedenen Lichttemperaturen sehen die Bilder anders aus. Mit einem Restlicht – zum Beispiel – einer Kerze kommt ihr Tiefe besonders zur Geltung. Sie leuchten teils wie Edelsteine. Farbtriefend hängen sie – in den aufwendig gearbeiteten Bühnenrahmen, die ich für diese Stücke entworfen habe, an der Wand. Sie sind nicht nur Malerei, sondern gleichzeitig Objekt.

Malereien dieser Art gehören nicht in die Welt schriller Leuchtreklamen, Konsum und dem exzessiven Fast Food von Kultur.

Obwohl lesbare Gegenständlichkeit nicht der Zweck ihrer Existenz ist, so haben diese Bilder für mich doch einen Bezug zur klassischen Malerei. Die aus dem Dunkel drängenden Lichter eines Rembrandt fallen mir ein und Goya mit den Kerzen auf dem Hut, wie er Lichter in nachtdunkle Gemälde zaubert.

Harlikin im Gegenlicht 1998 Öl-auf Leinwand 39 x 32 cm

Diese, den Blick fesselten Farbgeschwüre, konterkarieren die glatte, Sagrotan gereinigte Oberfläche unserer Gegenwart, erfordern gründliches Schauen und die Öffnung des Betrachters für Reize, welche er für sich entdecken muss und nicht lässig aus der Schublade eines Hochglanzmagazins ziehen kann.

Langzeitbilder.

Es sind mit Bildenergie aufgeladene Tableaus von denen Sammler behaupten sie sähen auch nach Jahren immer noch neue Zusammenhänge, Farbspiele und Augenreize.

An den Zeichnungen dieser Zeit erahnt man wie die Gemälde begonnen wurden.

Das skriptural spielerische liegt unter dem Farbbergwerk. Aber man kann auch schon erahnen, dass sich die Farbschichten durchaus auflösen könnten und die Figur wieder Oberhand gewinnt. So wie es dann auch geschehen sollte.

Kunstwerk Nippes | Galerie Koppelmann

Baudristr. 5
D-50733 Köln
+49 221 7328497
www.kunstwerk-nippes.de

Ausstellung vom 08.10.- 19.11.2016
Öffnungszeiten
Do. – Fr. 15-19 Uhr sa. 11 -15 Uhr
Und nach Vereinbarung

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